Ein Novembermorgen in der Märkischen Schweiz. Dichter Nebel hängt über den Wiesen, die Straße verschwindet nach zehn Metern im Grau. Ich fahre im Schritttempo, die Hände fest am Lenkrad. Sehen kann ich nur die nächsten Meter. Mehr nicht.
Ich schalte das Fernlicht ein. Doch statt klarer Sicht wird alles nur milchiger. Die Nebelwand leuchtet diffus zurück.
Also Abblendlicht. Und dann taste ich mich voran. Langsam. Die Leitplanke rechts gibt Orientierung. Und da vorn: das rote Nebelschlusslicht eines anderen Autos. Ich folge ihm. Kurve für Kurve.
Nebel macht mich nervös. Ich weiß nicht, was mich erwartet. Fahre auf Sicht - und staune, dass das genügt.
Dieses Gefühl kenne ich auch sonst. Wenn ich keine Ahnung habe, was in einem halben Jahr sein wird. Manchmal nicht mal, was nächste Woche kommt. Wenn Entscheidungen anstehen, ohne zu wissen, ob sie richtig sind.
Das kann nervös machen. Manchmal auch Angst. Dann meldet sich der Wunsch nach Sicherheit: „Ich will doch wissen, wohin das führt! Ich möchte das Ziel kennen!“ Hätte gern ein Fernlicht in die Zukunft. Stattdessen nur dieses diffuse Grau.
In der Bibel sagt Jesus zu seinen Freunden: "Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen." Fast so, als wüsste er, wie es ist, im Nebel zu fahren. Als würde er sagen: Du musst nicht die ganze Strecke sehen. Die paar Meter des heutigen Tages verlangen dir genug Aufmerksamkeit ab.
Aber: es ist genug da, damit du diese Meter sicher auf deinem Weg sein kannst.
Da ist die Leitplanke. Werte, die dich tragen. Menschen, die dir Halt geben. Die innere Stimme, die sagt: Hier lang. Und da ist das rote Licht vor dir – andere, die schon Erfahrung haben mit dieser Strecke. Du musst nicht immer die Erste sein. Du darfst auch einfach mal folgen.
Also: Mach den nächsten Schritt, auch wenn du nicht weißt, wo du in einem Jahr stehen wirst. Vielleicht reicht es, heute diese eine Entscheidung zu treffen. Diesen einen Tag zu leben.
Irgendwann wird sich der Nebel lichten. Aber bis dahin fahre ich auf Sicht. Und vertraue darauf, dass da einer mitfährt, der die Strecke kennt.