Zwei Hände strecken sich einander entgegen, eine helle und eine dunkle Hautfarbe, vor einem sanften, pastellfarbenen Hintergrund. Die Geste vermittelt eine Verbindung oder das Streben nach Kontakt.
12.05
2026
06:50
Uhr

Berührungspunkte

Berührungspunkte als Wegweiser: Begegnungen, die lehren, bewegen und miteinander wachsen lassen.

Ein Beitrag von Cäcilia Montag

Haben Sie eine Idee, wie viele Menschen Sie am Tag berühren, ohne sie anzufassen?

Genau weiß man das natürlich nicht. Man vermutet, dass der Mensch zwischen 20 und 50 soziale Interaktionen am Tag hat – von einem Blick oder einem Lächeln bis hin zu einem tiefen Gespräch. 

Berührungspunkte – Begegnungen mit Wirkung, ein Stück gemeinsamer Weg, eine Weile beieinander und miteinander sein, ohne dass daraus unbedingt eine Verantwortung oder eine längere Beziehung erwachsen muss.

Sie sind – je nach Intensität – ein Angebot des Voneinander-Lernens und vielleicht auch des Profitierens, ein gemeinsamer Moment, der danach wieder losgelassen werden kann. Vielleicht wirkt er nach, vielleicht verändert er etwas, vielleicht schafft er eine Sehnsucht… Vielleicht bleibt es aber auch bei diesem kurzen gemeinsamen Moment.

Seit einigen Jahren begleite ich ehrenamtlich Kinder auf ihrem Weg zur Erstkommunion, zum Tisch der Gemeinschaft der Christen.

Ich mag diese intensive Vorbereitungszeit mit den Kindern sehr, weil nicht ich ihnen etwas beibringe, sondern wir tiefe (oftmals fast philosophische) Gespräche über das Leben, den Glauben und Gott führen.

In dieser Zeit gibt es viele Berührungspunkte – lange und kurze, nachhaltige und schnell verflogene, tiefe und welche, die an der Oberfläche bleiben.

Berührungspunkte im doppelten Wortsinn: als Verbindung mit anderen Menschen, mit Orten und mit Ideen und natürlich auch mit Gott. Aber eben auch im Sinne von berührt und bewegt werden durch Geschichten und Gedanken anderer Menschen.

Ein wichtiger Berührungspunkt ist dann auch immer das Fest selbst: das Fest der Communio, der Gemeinschaft – mit Gott und mit den Menschen. Der Kern dieser Zusammenkunft bleibt auch bei bester Vorbereitung ein Geheimnis und es berührt mich immer wieder, wie Kinder sich darauf einlassen können, etwas nicht bis ins Letzte verstehen zu müssen. Sie öffnen einfach ihr Herz… 

Und so wünsche ich Ihnen heute, dass Ihr Herz offen ist und Sie berührt werden. Und ich wünsche Ihnen, dass auch jemand durch Sie berührt wird.

Diese Berührungen müssen ja nicht gleich Ihr ganzes Leben verändern, aber sie dürfen Sie für einen Moment froh machen.