Eine Hand hält einen Zeiger einer großen Wanduhr auf die Zahl fünf. Die Uhr hat ein einfaches, klassisches Design mit schwarzen Ziffern auf einem weißen Ziffernblatt. Die Umgebung ist dunkel, wodurch die Uhr hervorsticht.
11.05
2026
06:50
Uhr

Zeitanhalter

Die Eisheiligen als virtuelle Zeitanhalter: Zeit geben, prüfen, träumen – und erst dann die Tür zur Öffentlichkeit öffnen.

Ein Beitrag von Cäcilia Montag

Heute beginnen die sogenannten Eisheiligen. Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius, Sophie…

Kennen müssen Sie die nicht, denn die Eisheiligen haben wenig mit dem zu tun, warum Wetterfrösche und Gärtnerinnen sie in diesen Tagen so interessant finden– sie haben lediglich ihre Gedenktage in diesem vermeintlich wetterkritischen Zeitraum.

Denn sie liegen genau an der Schwelle vom Frühling zum frühen Sommer und über die Jahre hat man rund um ihre Namen Wetterprognosen gereimt. Mit ihrem vorbildhaften Leben als frühe Heilige der Kirche hat das wenig zu tun.

Aber diese Menschen mit den wundersamen Namen können uns trotzdem etwas sagen – fernab des Gartens versorgen sie uns nämlich mit praktischen Tipps fürs Leben.

Sie erinnern uns daran, aufmerksam zu sein und auch zu bleiben, zu schauen, was vielleicht in unserem Leben besonderen Schutz braucht, weil es noch nicht bereit ist für das ‚harte‘ Leben draußen.

Ich denke da zum Beispiel an unsere Kinder, die wir lange und behutsam auf das eigenständige Leben vorbereiten, sie heranführen an die eine oder andere Aufgabe bis hin zur Eigenverantwortung für ihr Leben.

Auch viele andere Dinge unseres Lebens brauchen einfach diese Zeit, bevor sie überhaupt aufblühen können. Ideen, Pläne und Gefühle dürfen und sollen reifen. Nicht alles muss sofort nach draußen, zerredet und geteilt werden. 

So wie man zum Beispiel Gedanken zur eigenen Zukunft meistens zuerst im Kopf hat, bevor man sie ins Wort bringt und mit anderen bespricht.

Auch Träumen voller Sehnsucht ist oft erst einmal leise. Sicherlich auch zum Schutz, dass niemand dagegen reden kann, bevor man sich selbst sicher ist.

Und so sehe ich die Eisheiligen als virtuelle Zeitanhalter, die uns in dieser Woche daran erinnern, Dingen ihre Zeit zum Reifen zu lassen und – entgegen dem allgemeinen Trend, alles sofort öffentlich machen zu müssen – erst einmal bei uns zu bleiben und nach innen zu sehen, bevor wir uns den anderen und ihren Sichtweisen aussetzen.

… und um nochmal auf das Bild des Gartens zurückzukommen: Vielleicht findet sich so die ein oder andere Blüte, deren Schönheit wir erst einmal ganz allein genießen dürfen?!

Das wünsche ich Ihnen.