Grüne Strandgräser wachsen in der Nähe des Meeres. Im Hintergrund erstreckt sich der sanfte, weiße Sandstrand, während die Wellen des Wassers sanft an den Strand rollen. Der Himmel ist klar und hell, was eine ruhige, friedliche Atmosphäre schafft.
16.05
2026
06:50
Uhr

Zuhause

Lieblingsorte, die die Seele nähren: Wie ein Ort uns heil werden lässt und zu uns selbst zurückführt.

Ein Beitrag von Cäcilia Montag

Haben Sie einen Lieblingsort? Einen, an dem sofort ‚alles gut‘ ist und sich gleich alles ganz heil anfühlt, sobald Sie dort sind?

Mein Lieblingsort liegt auf Usedom. 

Wann immer ich den Aufgang zum Strand sehe – ich würde ihn aus tausenden sicher erkennen – bin ich sofort wieder ganz da. Kein Ballast der letzten Wochen könnte das verhindern. Dort bleibt wirklich für einen gewissen Moment für mich die Zeit stehen – egal, wie viel Leben um mich herum ist. Ich bin selten an einem Ort so sehr im Hier und Jetzt und so sehr bei mir, wie dort! 

Dieses Stück Erde ist fest in mein Herz geschrieben. Und das nicht aus Versehen.

Ich verbinde mit diesem Ort so viele Erlebnisse und Gefühle. Hier habe ich geübt, von Zuhause fort zu sein. Hier habe ich viel über mich und das Leben gelernt und hier habe ich Gott getroffen. Hier habe ich unzählige Briefe geschrieben und erhalten. Hier habe ich meine Füße in den Sand gesteckt und die Zeit vergessen. Hier habe ich Menschen über Jahre wachsen sehen und hier habe ich viele erste Male erlebt, Gruppen geleitet, Nachtwache und Hände gehalten, geputzt, geküsst und zugehört.

Ich verbinde mit diesem Ort zudem Menschen – Gemeinschaft, Begegnung, Austausch, Beziehung und Freundschaft, aber auch ein Stück Verantwortung. Hier habe ich erfahren, wie heil meine Welt ist, wie gut ich es habe und ich habe diese Erfahrung mit vielen Anderen geteilt – mit Manchen aber auch nicht... Hier habe ich Freundschaften geknüpft und gepflegt, die schon mein Leben lang tragen, und manche habe ich danach an das Leben wieder verloren.

Ich verbinde mit diesem Ort die wohltuende Erfahrung, dass es egal ist, wie ich aussehe, weil die Frisur durch die Brise eh nie sitzt und die kurze Schlabberhose für das Toben am Strand die bequemere Wahl ist und weil das dort auch einfach niemandem wichtig ist.

Und ich habe hier erfahren, dass die See die beste Zuhörerin ist! Wie oft hat sie mir leise zugeraunt, dass alles gut ist oder wird… und sie hatte Recht!

Und so ist es jedes Mal ein ‚Nach Hause kommen‘, wenn ich mich diesem Aufgang zum Strand nähere. 

Ich wünsche Ihnen heute, dass Sie sich Zuhause fühlen – an Ihrem Ort oder bei und mit den Menschen, die Ihnen ein Zuhause sind.