Vielleicht sitzen Sie gerade am Küchentisch und genießen Ihren ersten Kaffee oder Tee.
Oder Sie sind schon unterwegs – im Auto, auf dem Weg zur Arbeit, das Radio läuft im Hintergrund.
Was auch immer Sie gerade tun – einen Tischmoment wird es heute wohl schon bei Ihnen gegeben haben.
Besonders viele Geschichten erzählt der Küchentisch.
Hier wird nicht nur gegessen.
Hier wird der Tag sortiert, werden Termine besprochen, Sorgen ausgesprochen, Entscheidungen vertagt.
Manchmal wird am Küchentisch auch einfach geschwiegen oder geweint – und auch das hat seinen Platz.
Am Tisch kommen Menschen zusammen.
Man sitzt sich gegenüber, hört zu, fällt sich ins Wort, bleibt noch einen Moment sitzen, obwohl eigentlich schon alles gesagt ist.
Und auch wer alleine am Tisch sitzt, ist nicht außen vor, denn selbst dann ist der Tisch ein Ort der Begegnung – mit den eigenen Gedanken, mit dem, was war und mit dem, was kommt oder fehlt.
Tischmomente entstehen nicht nur durch viele Menschen, sondern durch Zeit. Durch das Dableiben.
Durch Gespräche, die nicht sofort zu einem Ergebnis führen müssen oder durch eine Stille, die man aushält, ohne sie gleich füllen zu wollen.
Heute feiern die Kirchen Gründonnerstag.
In der christlichen Tradition erinnert dieser Tag an ein gemeinsames Mahl. Das letzte Abendmahl. Jesus nimmt Abschied von seinen Freundinnen und Freunden. Nicht pompös, nicht festlich: Ein Tisch. Brot und Wein. Gemeinschaft.
Vielleicht ist der heutige Donnerstag eine Einladung, den eigenen Tisch neu wahrzunehmen. Als Ort für ein Gespräch. Oder für einen Moment der Ruhe. Für Nähe oder Abschied.
Am Tisch wird nicht nur gegessen. Am Tisch wird gelebt.