Ich nenne den Mittwoch vor Ostern gerne „Tag des Zwiespalts“ – ein stilles Andenken daran, dass Beziehungen scheitern können. Dass Vertrauen brüchig ist. Dass Menschen sich gegenseitig enttäuschen. So wie Judas, der Verräter, Jesus enttäuscht und seine Freundschaft verspielt.
Ich kenne diese Risse auch. Sie sind unangenehm, manchmal schmerzhaft. Und doch habe ich gelernt: Risse sind nicht gleichbedeutend mit einem Ende. Sie müssen ins Leben integriert werden – so schwer das auch manchmal fällt. Denn einige Wunden heilen nie. Manche Narben bleiben sichtbar.
Der kanadische Künstler Leonard Cohen singt in seiner Hymne:
„There is a crack in everything – that’s how the light gets in.“
Frei übersetzt:
„Durch jeden Riss fällt ein Licht. “
In der Küche unseres Klosters steht meine Lieblingstasse. Sie hat viele Macken. Ich wollte sie schon öfters wegwerfen. Sie ist halt kaputt und nicht mehr so schön wie am ersten Tag. Heute mag ich sie gerade deshalb. Sie erinnert mich daran, dass Verletzlichkeit zum Leben gehört. Risse machen mich aus. Das Leben ist halt kein Ponyhof.
Und auf meinem Lebensweg ist es ähnlich: Menschen sind fehlbar, Beziehungen kompliziert. Aber es gibt auch Versöhnung, Heilung, neue Wege – selbst, wenn sie anders aussehen als erwartet.
Vielleicht gibt es auch in Ihrem Leben einen Riss, der gesehen werden möchte. Nicht verdrängt, nicht zugedeckt – sondern ehrlich angeschaut, vergoldet.
Trauen Sie sich, ihre Brüche anzunehmen und wertzuschätzen.
Durch jeden Riss fällt ein Licht!