Ein Plakat mit der Aufschrift "PEACE NOW" in großem, schwarzem Schriftzug. Darunter sind eine Friedenstaube und ein Zweig abgebildet. Das Plakat ist an einer grauen Wand befestigt.
27.05
2026
06:50
Uhr

Der Wunsch nach Frieden

Zwischen Angst und Alltag: Wie Ukraines Menschen trotz Drohnenalarm und Besatzung friedliche Momente finden

Ein Beitrag von René Pachmann

Wie sieht der Krieg aus? – Diese Frage habe ich mir Anfang des Jahres besonders häufig gestellt, als sich Pläne für einen Besuch in der Ukraine verdichteten. Im April konnte ich dann mit einer siebenköpfigen Delegation aus Ostbrandenburg eine Reihe kirchlicher Projekte in den Gegenden um Kyjiw und Odesa besuchen. 

Wir waren auch gespannt, wie unsere Gegenüber, die oftmals aus den christlichen Kirchen der Ukraine kamen, sich zu den Fragen von Krieg und Frieden äußern würden. Nach über vier Jahren russischer Angriffe, die zunehmend die Zivilbevölkerung und die ukrainische Energieinfrastruktur treffen, konnten wir uns nur schwer vorstellen, was in jenen Menschen vorgeht, die dies Tag für Tag erleben müssen.

Und es zeigte sich, dass Krieg ganz verschiedene Gesichter hat – in den großen Städten sind die Menschen, so furchtbar es ist, die Drohnenangriffe schon gewohnt und orientieren sich bei Alarmen sehr pragmatisch, wann und ob es nötig ist, einen Schutzraum aufzusuchen. Aber vor allem die häufigen nächtlichen Angriffe, so wurde uns in Odesa berichtet, haben auf Dauer eine zermürbende Wirkung. Im ländlichen Raum dagegen erwartet man keine große Gefahr durch Drohnen. 

Einig waren sich unsere Gesprächspartner allerdings dabei, dass russische Okkupation kein Frieden ist. In unseren Gesprächen mit jenen, die vor der Besatzung geflohen waren, hörten wir von Gewalt und Willkür und von ständiger Angst. Das steht im harten Gegensatz zu einigen Gesprächen, die ich zu diesem Thema in Brandenburg führe und wo nicht selten eine Waffenruhe um jeden Preis ersehnt wird. Ein Ende der militärischen Kämpfe ist leider nicht so schnell zu erwarten – und bedeutet auch nicht automatisch Frieden.

Ein wenig Hoffnung gegeben hat mir die Begegnung mit Olha, der Frau eines Pastors. Unsere Frage nach ihrem Blick auf den Frieden beantwortete sie so: Wenn sie immer nur auf das Ende des Krieges warten würde, fände sie gar keine Ruhe mehr. Aber sie konzentriert sich auf das kleine Gute, das sie hier und jetzt tun kann. Eine Quelle inneren Friedens – mitten im Krieg. 

Ich wünsche auch Ihnen diesen Blick für die kleinen Dinge des Alltags – für kleine Inseln des Friedens mitten in den Aufregungen unseres Alltags.