Ein zerstörtes Gebäude steht auf einem Trümmerfeld. Teile der Wände sind eingestürzt und der Boden ist mit Schutt und Holzbalken bedeckt. Die Umgebung wirkt verwildert und verlassen, was die Folgen einer Katastrophe verdeutlicht.
28.05
2026
06:50
Uhr

Füreinander da sein

Große Notlagen zeigen eine starke Kraft des gemeinschaftlichen Handelns

Ein Beitrag von René Pachmann

In den letzten Wochen habe ich sehr stark gespürt, was für eine große Kraft in großen Notlagen entstehen kann. Denn ich war mit einer kirchlichen Delegation aus Ostbrandenburg in der Ukraine und habe viele kirchliche Projekte besucht. 

Und mir war bereits vorher bewusst, wie sehr die Ukrainer trotz vieler politischer Streitigkeiten zusammengerückt sind. Mir war auch klar, wie sehr man einander schon lange durch digitale Spendenaufrufe hilft. Und welche enormen Anstrengungen in privater Initiative unternommen werden, um den überforderten Staat zu unterstützen.

Aber es ist eine Sache, das zu wissen und eine andere, es zu sehen und zu erleben. 

Ein Erlebnis besonderer Art war der Besuch bei Pastor Oleksandr auf den Dörfern rings um Odesa. Dort hat er Unterkünfte geschaffen für viele Menschen, die aus den besetzten Gebieten geflohen sind. Wir trafen einige Frauen mit ihren Kindern und kamen darüber ins Gespräch. Sie erzählten, dass ihr Dorf Smyjiwka in der Nähe des Dnipro lag und lange umkämpft war. Seit die ukrainische Armee das westliche Ufer des Dnipro befreien konnte, ist die Gegend zwar befreit, aber auch stark vermint und ihr Dorf zerstört – eine Rückkehr ist nicht mehr möglich.

Darum schafft Pastor Oleksandr für die Geflohenen langfristige Hilfen mit Arbeit, Gärten und Kinderbetreuung. 

Während unseres Gespräches in großer Runde stand eine ältere Frau plötzlich auf und erklärte, sie müsse jetzt los. Sie fahre mit ihrem bereits zur Hälfte mit Hilfsgütern beladenen VW-Bus ein paar Kilometer weiter zu schwedischen Freiwilligen, um dort weitere Spenden zu übernehmen und sie an die Front zu bringen. 

Ich war sehr beeindruckt vom Mut dieser Frau. Wir hatten in Deutschland lange darüber gesprochen, ob wir es überhaupt wagen könnten, in die Ukraine zu fahren. Und hier stand nun eine Frau, die aus ihrer zerstörten Heimat geflohen war und sagte, sie fahre los in die Nähe der Kämpfe, um anderen zu helfen.

Die Spenden, die wir bei Gottesdiensten, Konzerten und Geburtstagen in Frankfurt (Oder) und Umgebung gesammelt hatten, reihten sich auf diese Weise ein in die überwältigende Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort. Ob nun aus christlicher Motivation oder aus reiner Menschenfreundlichkeit – Menschen helfen einander in der Not. Halten wir auch in vielen anderen Situationen und Orten die Augen dafür offen!