Eine Person hält einen Bogen in der Hand und bereitet einen Pfeil vor. Die Hände sind aktiv, während der Pfeil in die richtige Position gebracht wird. Der Hintergrund ist verschwommen und unauffällig.
29.05
2026
06:50
Uhr

Umgang mit der Gefahr

Wie Kirchengruppen aus Frankfurt (Oder) Hilfe leisten, Hoffnung teilen und den Glauben in schweren Zeiten praktizieren.

Ein Beitrag von René Pachmann

„Die Frevler spannen den Bogen, sie legten ihren Pfeil auf die Sehne, um im Dunkel auf die zu schießen, die redlichen Herzens sind.“

Diese Worte aus dem 11. Psalm in der Bibel habe ich ganz neu verstanden, als ich vor einigen Wochen in der Ukraine war. Mit einer kirchlichen Gruppe aus Frankfurt (Oder) und Umgebung haben wir auf Einladung der evangelischen Kirche in der Ukraine eine Reihe sozialer Projekte besucht und viele Menschen zum Gespräch getroffen.

In Odesa haben wir auch nächtliche Luftalarme erlebt. Die Stadt liegt nicht in unmittelbarer Nähe der Front, wird vom russischen Militär aber regelmäßig mit Drohnen und Raketen beschossen. Nicht nur der Hafen am Schwarzen Meer ist dabei Angriffsziel, sondern immer wieder werden Wohnhäuser, zivile Einrichtungen und Kirchen getroffen. 
Unser Besuch fand in einer relativ ruhigen Zeit statt, so dass wir nur eine Handvoll Alarme erleben mussten. Aber in einer Nacht waren nicht nur die durchdringenden Töne der Sirenen zu hören, sondern ganz in der Nähe angreifende Drohnen und Flugabwehr. 

Für uns war das nur eine kurze Episode – die Menschen in Odesa und in anderen Gebieten der Ukraine erleben das seit mehr als vier Jahren. Wir haben uns am Frühstückstisch zusammengesetzt und über die Erfahrungen dieser kurzen und unruhigen Nacht ausgetauscht. Dabei sagte einer unserer Mitreisenden, dass er morgens Psalm 11 aufgeschlagen habe und darin den genannten Text fand: 

„Die Frevler spannen den Bogen, sie legten ihren Pfeil auf die Sehne, um im Dunkel auf die zu schießen, die redlichen Herzens sind.“

Und ich war sehr froh über die Fähigkeiten der ukrainischen Flugabwehr, die inzwischen in der Lage ist, einen Großteil der Angriffe abzufangen – keine Pfeile, die im Dunkeln fliegen, sondern Zehntausende Euro teure Gerbera- und Shahed-Drohnen. Was die Flugabwehr an Drohnen und Raketen nicht aufhalten kann, bringt weiterhin nach beinahe jedem Angriff tote Zivilisten. 

Diese Nacht machte es mir noch einmal überdeutlich: Die Ukraine in ihrer Abwehr der Angriffe zu unterstützen, ist ein Akt christlicher Nächstenliebe.