Eine Reihe traditioneller Windmühlen mit schwarzen Dächern und langen, schmalen Flügeln steht in einer ländlichen Umgebung. Der Himmel ist klar und blau, während im Vordergrund eine Steinmauer zu sehen ist.
30.10
2026
06:50
Uhr

Don Quijote

Ich lese ihn immer wieder neu!

Ein Beitrag von Christina Förner

Es war ein literarischer Meilenstein, der 1605 in Madrid gesetzt wurde, als Miguel de Cervantes den ersten Teil seines großartigen Romans „Don Quijote“ veröffentlichte. Der „Ritter von der traurigen Gestalt“, wie man ihn auch nennt, zieht darin mit seinem Diener Sancho Pansa aus, den Schwachen zu helfen, die zu Unrecht Gefangenen zu befreien, die Feinde des Landes zu besiegen und auf diese Weise Ehre und Ruhm zu erlangen. Sein Kampf mit den Windmühlen, die er als Riesen sieht, ist ein Symbol dafür geworden, etwas Unvernünftiges zu tun. Die angebliche Gefahr, in die er sich dabei begibt, wirkt auf seine Umgebung lächerlich. Und doch hat sie etwas Anrührendes.

Was mich selbst verblüfft - ich lese den Roman immer wieder anders. Als ob sich die Geschichte in der Zwischenzeit verändert hätte. Nur ich habe mich wohl verändert. Ich bin älter geworden. Und das wirkt sich nicht nur darauf aus, wie ich jeden Tag aufstehe. Es beeinflusst auch meinen Blick auf die Welt. Ich weiß mittlerweile, welcher Einsatz sich lohnt, und welcher nicht. Das ist etwas, das Don Quijote anscheinend nie lernt. Bin ich darum weiser als er? Keinesfalls! Denn auch ich tue Dinge, die für mich Sinn ergeben, aber von außen gesehen vielleicht sinnlos oder unvernünftig wirken. Ich sammle auf meinem Weg zum Altglascontainer leere Flaschen ein und nehme sie mit. In Berlin ist so etwas eine schier unendliche Arbeit. Aber für mich ergibt sie Sinn. Darin bin ich mein ganz eigener Don Quijote.

Was ich in den letzten vierzig Jahren gelernt habe, ist das: Jeder von uns führt ihn, seinen eigenen Kampf gegen eine Art von Windmühlenflügeln. Im Roman weist ein Beobachter den Ritter auf die Albernheit seines Kampfes gegen die Windmühlen hin. „Ihre Flügel werden dich in den Staub schleudern“, sagt er sinngemäß. „Ja“, erwidert Don Quijote, „oder zu den Sternen.“

Es ist wichtig, ebenso wie der „Ritter von der traurigen Gestalt“ gegen die Windmühlenflügel des eigenen Daseins zu kämpfen und zu schauen, wohin sie mich schleudern.