Wenn die Linden blühen, bin ich auf Droge: Der süßliche Duft betört meine Sinne gleich morgens unterwegs zur Arbeit. Das Grün und die Blumen, Sandalen und Sonne, blauer Himmel und Wind und dann noch WM – das ist schon ein Vorgeschmack auf die großen Ferien, die bald kommen und alles in ein anderes Licht tauchen. Die Stadt leert sich und entschleunigt, das Tempo wird rausgenommen aus gehetzten Tagesabläufen und mehr Leichtigkeit kommt rein. Manchmal will ich das gleich morgens schon den müden Schulkindern zuflüstern, die mir da entgegenkommen, verschlafen und träumend noch zur Schule trottend mit ihren schweren Mappen: dauert nicht mehr lange – fast geschafft! Der Hochsommer kommt einem da sehr entgegen. Es ist Schöpfungszeit vom feinsten: Kornblumen auf den Feldern und in den Blumenläden, laue Balkonabende abends nach getaner Arbeit, und immer noch späte Sonnenuntergänge und endlose Tage – auch wenn das Licht nun langsam wieder abnimmt.
Für dieses Schöpfungshoch hat Paul Gerhardt angemessene Worte in diesem Lied gefunden. Es ist ein Hoch auf den Sommer und auf den, der ihn uns schenkt:
Du, meine Seele, singe wohlauf uns singe schön
Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
Ich will ihn herzlich loben, solang ich leben wird. (EG 302, Str.1)
Ja, das tue ich in diesen Tagen tatsächlich – auch wenn`s nicht jeder mitkriegt, weil die Seele ja nicht hörbar singt, sondern tonlos. Aber im Herzen geh ich jetzt oft lobend durch die Welt, die natürlich nicht immer und überall schön ist und voller Baustellen – auch im übertragenen Sinne – aber eben doch wunderschön in diesem Sommer in so vielen kostbaren Momenten: bei einem Kaffee draußen auf der Straße, im Open Air Kino in den Rehbergen, im Wald oder im Garten draußen: volle Pulle Leben, Licht und Luft und Sonne umsonst. Hören Sie, wie meine Seele singt? Und Ihre auch?