Ein dunkler Raum mit einem Holzfußboden, aus dem mehrere Scheinwerfer an der Decke hängen. Ein Lichtstrahl beleuchtet einen kleinen Abschnitt des Bodens, während der Rest im Schatten bleibt.
16.04
2026
06:50
Uhr

Eine Bühne geben

Raum schaffen, damit Größeres spricht

Ein Beitrag von Felicitas Richter

Das Saallicht ist gedimmt.
Eine erwartungsvolle Stille liegt im Raum. 

Dann betritt der Moderator die Bühne.

Er erzählt voller Wärme, Wertschätzung und Humor zwei kleine Geschichten über die Rednerin, die gleich sprechen wird. Eine Anekdote aus ihrem Leben. Eine Erfahrung, die sie geprägt hat. Während er spricht, wächst meine Neugier. Ich beginne zu ahnen, warum es sich lohnt, ihr zuzuhören. Dann endet er mit den Worten: „Begrüßen Sie mit mir…“ und Applaus erfüllt den Saal. Der Moderator gibt der Rednerin die Hand und dann überlässt er ihr die Bühne.

Während ich ihm nachschaue, denke ich: Diese Haltung ist selten geworden. Einer, der den Platz im Rampenlicht freimacht. Der nicht über sich spricht, sondern die Rednerin groß macht. Er bereitet ihr die Bühne – und überlässt ihr den Raum.

Auch Johannes der Täufer in der Bibel war so. Er hätte ein Star werden können. Denn er war ein begnadeter Redner. Auch zu ihm kamen viele Menschen. Sie bewunderten ihn. Sie wollten ihn hören. Er hätte allen Grund gehabt, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Doch Johannes sagt einen erstaunlichen Satz: „Der nach mir kommt, ist größer als ich.“

Johannes macht Platz. Er weist weiter – auf jemanden, der wichtiger ist als er selbst. Er bereitet Jesus die Bühne, weil er weiß: ‚Jesus kann den Menschen etwas geben, was ich nicht kann.

Heute kämpfen unzählige Stimmen um Aufmerksamkeit. Viele inszenieren sich selbst, erzählen ihre Geschichte, präsentieren ihre Meinung.

Und es ist nicht leicht, zu entscheiden: Wem höre ich wirklich zu? Wem gebe ich eine Bühne in meinem Leben?

Ein guter Moderator steht nur kurz im Licht. Dann tritt er wieder zur Seite, damit jemand anderes sprechen kann. Jemand, der auf das hinweist auf das, was wirklich zählt.

Auf unsere Erde, die Schutz braucht.
Auf den Frieden, der so zerbrechlich geworden ist.
Auf die Würde jedes Menschen.
Oder – für manche von uns – auf Gott.

Johannes hat genau das getan.
Ich finde das eine stille Form echter Stärke: Raum zu machen für das, was größer ist als wir selbst.