Sonnenlicht erhellt leuchtend rote Mohnblumen, die in den Himmel wachsen. Die Blumen sind aus der unteren Perspektive aufgenommen, mit einem Hintergrund aus blauem Himmel und weißen Wolken.
21.07
2025
06:50
Uhr

Fülle

Ein Beitrag von Cäcilia Montag

Ich liebe den Sommer – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Besonders liebe ich es, dass das Leben vorwiegend draußen stattfindet.

In der Natur unterwegs zu sein, tut nicht nur Körper und Seele gut, sondern lässt immer wieder innehalten und staunen über diese Welt, über Gottes Schöpfung. Staunen und sich erfreuen an einer unendlichen Vielfalt, aber eben auch an einer fast verschwenderischen Fülle, wie zum Beispiel einem Feld voller Mohnblumen!

Wie großzügig, ja verschwenderisch die Natur ist! Eine Mohnblume ist schon allein ein Kunstwerk, ein Hingucker. 

Unweigerlich fragte ich mich, wo sonst im Leben Verschwendung, ein Zuviel und eigentlich unnötige Fülle so schön und so wenig negativ belegt sind.

Überall versuchen Menschen heute minimalistisch zu leben, mit wenig auszukommen und Unnötiges zu vermeiden und die Natur präsentiert sich hier auf sehr imposante Weise. 

Bernhard von Clairvaux, ein Kirchenlehrer des 12. Jahrhunderts, setzt diese Fülle, dieses Zuviel in ein anderes Licht. Unermüdlich wiederholt er in seinen zahlreichen Briefen an Papst Eugen III, dass nur derjenige geben kann (und soll), der genug hat. Um über sein Geben nicht selbst leer zu werden. Er beschreibt also die Fülle als Notwendigkeit, die es uns überhaupt ermöglicht, anderen etwas abzugeben. Und das ohne uns dabei selbst zu vernachlässigen oder gar zu vergessen, denn wem sollte man dann noch helfen können? 

In Bezug auf materielle Güter vielleicht fragwürdig, zumindest streitbar. Aber im Hinblick auf unsere mentale Gesundheit und unsere Kräfte – ein sehr weiser Rat!

Diese Fülle von Mohnblumen am Wegesrand kann somit eine kleine Gedankenstütze für die Zukunft sein, immer mal wieder daran zu denken: Erst die eigene Schale füllen und dann ausschenken, was Zuviel ist.

‚Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich!‘, schreibt Bernhard.

Bleibt trotzdem irgendwie immer noch die Frage nach dem Warum? dieser immensen roten Fülle auf den Feldern!?

Zur Freude der Menschen, vielleicht? Und… weil Gott es kann. 😉