Heute beginnen für viele Schüler:innen in Berlin und Brandenburg die lang ersehnten und sicher auch wohlverdienten Sommerferien. Auch in meiner Familie ist schon eine Weile spürbar, dass es eine Pause braucht.
Irgendwie ist die Luft immer raus, wenn die Ergebnisse feststehen und die Zeugnisse geschrieben sind. Was für eine vertane Chance, dass alles irgendwie auf dieses eine Beurteilungspapier am Ende des Schuljahres hinausläuft, finde ich.
Ich muss dabei an einen Kommentar eines Sportreporters denken, der einmal in Bezug auf eine Schwimmerin bei der EM etwas für mich Verwirrendes sagte. Die Frau hatte nach der Silbermedaille nun Bronze gewonnen. Er meinte, dass ihr ja jetzt nur noch die Goldene fehle, um ihren Medaillensatz voll zu machen. Eine auf den ersten Blick wundervolle Erfüllung eines vollkommenen Ideals: Gold, Silber und Bronze.
Aber leider funktioniert diese Erfüllung nur in diese eine Richtung. Denn hätte das Mädchen zuerst Silber und dann Gold geholt, würde es vermutlich niemanden geben, der sagen würde: Ach Mensch, jetzt fehlt ihr ja nur noch Bronze, dann hätte sie einen schönen Medaillensatz zuhause…?
Man würde ihr viel eher eine zweite Goldene wünschen und wäre vermutlich enttäuscht von jeder anderen, wo sie doch schon einmal so erfolgreich war.
Übertragen auf den heutigen Zeugnistag würde man sicher auch nicht sagen: Jetzt hast du im ersten Halbjahr eine 2 in Mathe bekommen, und diesmal eine 1 – jetzt wäre beim nächsten Mal noch eine 3 ganz schön, dann hast du schon die Hälfte aller verfügbaren Noten bekommen…
Aber warum eigentlich nicht?
Man muss es ja nicht genau so sagen, aber man kann das transportieren, was eine solche Aussage meinen würde: den Erfolgsdruck rausnehmen und einmal abwarten, was geschieht, wie sich das Kind (ohne Notendruck) entwickelt, vielleicht entfaltet.
Ich wünsche allen Kindern, dass das, was sie geben (können), genug ist und dass sie selbst mit ihrem Kraftaufwand zufrieden sind – egal, wie das Zeugnis aussieht und ob sie so jemals Medaillensätze vervollständigen würden!