Seit mein Mann und ich zusammenwohnen, bereitet immer der, der zuerst im Bad ist, für den anderen die Zahnbürste mit vor – egal, wie wir am Tag miteinander unterwegs waren oder ob es gerade davor vielleicht noch geknirscht hat…
Ein schönes alltägliches Ritual, das keinerlei Worte braucht, das aber deutlich sagt: wir gehören zusammen, wir denken aneinander, wir sorgen füreinander.
Vor einiger Zeit war ich bei einer Fortbildung, in der es darum ging, wie wir im Alltag Rituale, Traditionen und Werte nutzen und wie wir sie auch als Kraftquelle nutzbar machen können. Es war spannend und bereichernd, den Erfahrungen des Referenten zu lauschen, wie ihm Rituale begegnen und was sie bewirken können.
Unser Miteinander und eigentlich unser ganzes Leben lebt vom Wirken der Rituale und Traditionen, die uns oftmals schon lange begleiten. Somit sind sie nicht nur wichtig, sondern auch ein Teil von uns. Sie wirken, weil sie eine Kraft und Stärke haben; weil sie eine Verbindung schaffen, wenn Worte nicht weiterwissen.
Ein Händedruck, ein Blick, eine Umarmung, eine Kerze, ein Handschmeichler, ein Kreuz.
All das kann zum tröstenden Ritual werden…
In letzter Zeit bin ich beruflich und privat viel mit Traurigkeit, Kummer und Sorge konfrontiert. Und zwar mehr als sonst, offenbar gibt es besonders dichte Zeiten und ich weiß oft nicht, was ich Sinnvolles sagen oder was ich konkret tun kann. Manchmal gibt es auch einfach nichts Sinnvolles in einer solches Situation.
Und so brennt bei uns zuhause eine Kerze. Sie steht vor der Tür oder im Fenster. Für uns als Familie ist die brennende Kerze in jedem Fall ein Ritual: sie muss ausgetauscht und versorgt werden. Und nach außen ist sie ein sichtbares Zeichen der Hoffnung und auch der Solidarität. Hier ist LICHT! Und du bist mit deiner Traurigkeit und deiner Sorge um deine Lieben und um die Welt nicht allein!
Und so wünsche ich Ihnen heute, dass Sie sich mit anderen durch gemeinsame Rituale verbunden und sicher fühlen.