Eine Frau mit dunklen, schulterlangen Haaren geht vor einer leuchtend gelben Wand. Die Wand hat ein strukturiertes, gestreiftes Muster. Die Frau trägt ein weißes Oberteil und eine schwarze Jacke sowie eine schwarze Tasche. Sie befindet sich auf der rechten Seite des Bildes.
28.07
2025
06:50
Uhr

Gelb vor Neid

Ich bin neidisch. Neidisch auf Menschen, die nicht neidisch sind. Sich nicht quälend vergleichen, sondern glücklich mit sich und der Welt sein, ist wunderbar. Noch besser, wenn man sich freuen kann über das, was andere haben. Neid hat sich ganz schön breit gemacht in unserer Gesellschaft. Gab`s aber schon immer: in der Bibel bezeichnet das schöne Wort scheel das missgünstige Schielen auf andere. Leider ist sogar die Ferienzeit nicht frei von diesem Phänomen, denn Urlaub machen können wo und wie lange – das ist ja oft auch eine Frage von Status und Geld. Doch Neid bringt nix, bloß schlechte Stimmung und Scham auch, weil ich ja weiß, dass Neid sich nicht gehört. Ein Psalm darum heute, der Schluss damit macht und Raum gibt der Freude. Mein Neidpsalm geht so:    

Heut‘ bin ich gelb, und mag es nicht haben, dieses gelbe Gefühl,

es liegt mir im Magen, übermalt alles andere, legt sich wie Mehltau über mein Glück

Neid nimmt den Selbstwert, schnürt mir die Brust,

eng wird die Sicht auf was ich nicht habe, verstellt mir den Blick auf das, was ich bin

Wohin soll ich fliehen vor dieser Farbe?

Wie krieg ich den Neid aus dem Herzen gekippt?

Wohin ich auch schaue: Ich sehe mich nicht

Ich seh‘ nur die andren, und die sind im Licht

Die Andren sind klüger, sind besser als ich

zieh’n an mir vorüber, dem neidgelben Wicht

Neid ist wie Gift, das den Körper durchfließt

Ich denk‘ an nichts andres als den Erfolg, der mich mied

Gelb schmeckt es und verklebt mir mein Leben

ich will diesen Neid nicht, will ihm entfliehn

Wohin soll ich flieh’n, wenn ich mir selber nichts bin?

Zu Dir, mein Gott, komm ich‘ und fühle mich krank

Ich schütt‘ Dir mein Herz aus, steh vor Dir ganz blank

verkrümmt in mich selber, nackt wie ein Wurm

Ich bitte Dich: Heil‘ mich und male mich neu.