Sommer ist die Zeit der Glückseligkeit. Wenn der Wind die Haut streichelt und das Licht Endorphine freisetzt. Wenn die Abende lau und das Leben leicht ist. Und besonders auf Reisen, wo wir umgeben sind von schöner Landschaft und Kultur. Dann, ja dann bin ich ganz bei mir, so bestens verbunden mit dem Leben. Alles könnte so schön sein, wenn, ja wenn das kleine Wenn nicht wäre, das sich auch gleich wieder einstellt: Wenn der Urlaub doch länger dauern könnte! Wenn ich doch immer hier leben könnte! Wenn ich doch immer so viel Zeit hätte. Wenn ich doch immer so entspannt wäre, wenn, ja wenn dies mein Leben wäre… Wie es gelingen kann, nicht bloß im Urlaub und an anderen Orten sein Glück zu finden, läßt sich nachlesen im Kinderfreund. Ein Lesebuch für die Kleinen von Friedrich Eberhard von Rochow. Es erschien im Jahr 1776. Friedrich Rochow besaß damals ein Schloß in Reckahn, ein kleines Dorf in der Nähe der Stadt Brandenburg. Zum Dorf gehörte eine barocke Kirche und eine Dorfschule – heute befindet sich dort ein Schulmuseum. Reckahn war berühmt für seine Dorfschule. Bedeutende Anhänger der Reformpädagogik kamen hierher, um ganz anschaulich zu erleben, wie hier unterrichtet wurde: Jedes Schulkind besaß in der Dorfschule der Gutsherrschaft sein eigenes Lesebuch, alles andere als selbstverständlich für damalige Zeiten. Bildung für alle - ganz handfest und praktisch. Das Buch lehrt auch die Kunst des Glücklichseins. Dort heißt es:
Glückseligkeit oder Glücklichsein ist mehrenteils der Wiederschein von der Freude, die man andern gemacht hat oder machen wollte. Thue Gutes, weil du Gott und deine Mitmenschen liebst; hilf, wo du kannst mit Rat und That; mache, dass von deinetwegen das Gute mehr, und des Bösen weniger in der Welt werde; so wirst du glücklich sein können. Und dann: Geniesse, was dir Gott beschieden; entbehre froh, was Du nicht hast.
Die Zeilen kleben nun an meinem Kühlschrank – ein Souvenir von einem Wochenendausflug. Für mehr Glück im Alltag.