„Gott ist Liebe.“ Drei Worte, die sehr vertraut klingen. Aber vielleicht lohnt es sich, einmal genauer hinzuhören: Was ist Liebe eigentlich?
Die Soziologin Eva Illouz schreibt, dass wir darüber sprechen müssen. Denn das Wort Liebe wird für ganz unterschiedliche Dinge gebraucht. Manchmal sogar für ihr Gegenteil.
„Ich mache das nur aus Liebe.“ Diesen Satz haben schon viele Menschen gehört. Manche, bevor sie kontrolliert wurden. Andere, bevor sie klein gemacht wurden. Wieder andere, bevor ihnen wehgetan wurde.
Liebe kann als Begründung für Dinge herhalten, die mit Liebe nichts zu tun haben.
Genau deshalb ist der Satz „Gott ist Liebe“ so anspruchsvoll. Denn er fragt nicht nur danach, wie wir über Gott denken. Er fragt auch danach, woran wir echte Liebe erkennen.
Der erste Johannesbrief schlägt deshalb einen anderen Weg ein. Er definiert Liebe nicht. Er beschreibt ihre Wirkung.
„Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“
Das ist ein erstaunlicher Maßstab. Johannes fragt nicht: Wie intensiv fühlt sich Liebe an? Er fragt: Was richtet sie im Leben eines Menschen an? Lässt sie mich ängstlich werden? Muss ich ständig aufpassen, nichts falsch zu machen? Oder gibt sie mir den Mut, ich selbst zu sein? Liebe zeigt sich nicht in großen Worten. Sie zeigt sich daran, dass Menschen in ihrer Nähe aufatmen können.
Kinder beantworten die Frage nach der Liebe oft ganz ähnlich. Sie sprechen nicht über große Gefühle. Sie erzählen davon, dass jemand sie tröstet. Dass jemand wartet. Dass jemand sie in den Arm nimmt, wenn sie traurig sind. Und, dass Liebe schmeckt wie die Lieblingspizza. Liebe schenkt Geborgenheit. Sie macht keine Angst.
Darum bedeutet der Satz „Gott ist Liebe“ für mich nicht, dass Gott besonders viele Gefühle für uns hat. Sondern, dass seine Nähe Menschen aufatmen lässt. Dass sie Würde schenkt. Dass sie aus der Angst herausführt.
Ich wünsche mir, dass wir häufiger so über Liebe sprechen. Und nicht ständig darüber, wen wir lieben. Sondern darüber, woran wir Liebe erkennen. Denn das schützt uns vor falschen Vorstellungen. Und es schärft den Blick für die Liebe, die wirklich Leben schenkt.
An dieser Wirkung erkenne ich die Liebe. Und an dieser Liebe erkenne ich Gott.
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