Neulich habe ich etwas entdeckt, das mich überrascht hat: über Nashörner.
Sie gehören zu den stärksten Tieren der Welt. Dicke Haut. Gewaltiges Horn. Eigentlich wirken sie so, als bräuchten sie niemanden.
Und doch haben sie einen kleinen Verbündeten: den Madenhacker. Ein unscheinbarer Vogel, der auf ihrem Rücken landet und Zecken und andere Parasiten aus der Haut pickt. Das Nashorn wird die lästigen Plagegeister los. Der Vogel wird satt.
Eine echte Symbiose. Zwei völlig verschiedene Lebewesen. Und beide profitieren davon.
Ich mag diesen Gedanken.
In der Natur geht es erstaunlich oft nicht darum, wer der Stärkste ist. Sondern darum, wer miteinander leben kann.
Das bringt mich ins Nachdenken. Denn, wenn ich ehrlich bin, fällt mir das gar nicht so leicht.
Ich bin mit der Vorstellung groß geworden: Wer stark ist, schafft alles allein. Um Hilfe zu bitten, war nichts, worauf man stolz gewesen wäre. Gelobt wurde, wer unabhängig war, wer sich durchgebissen hat. Bis heute steckt das in mir. Ich möchte niemandem zur Last fallen. Ich denke oft: Das kriege ich schon irgendwie selbst hin.
Dabei gelingt das Leben meistens genau dann, wenn wir unsere unterschiedlichen Fähigkeiten zusammentun. Wenn der eine gut zuhören kann. Die andere handwerklich begabt ist. Eine den Überblick behält. Ein anderer die richtigen Fragen stellt.
Paulus hat dafür ein schönes Bild gefunden. Er schreibt: Wir sind wie ein Körper. Kein Auge kann sagen: Ich brauche die Hand nicht. Kein Fuß: Ich komme ohne die anderen aus. Jeder hat seine Aufgabe. Jeder hat seine Begabung. Und erst gemeinsam wird daraus etwas Ganzes. Nicht, weil alle gleich wären. Sondern gerade, weil sie verschieden sind.
Vielleicht hat Paulus die Natur gut beobachtet. Denn sie zeigt uns jeden Tag: Unterschiedlichkeit ist kein Problem. Sie ist eine Stärke. Das gilt für Nashorn und Madenhacker. Und genauso für uns Menschen. Wir müssen nicht alles können. Wir dürfen uns ergänzen.
Ich wünsche Ihnen heute Begegnungen, in denen Sie das erleben. Dass jemand etwas kann, was Ihnen gerade fehlt. Und dass auch Sie für einen anderen Menschen genau das mitbringen, was er oder sie braucht.
Zusammen geht's eben oft besser.
pexels.com, Mike van Schoonderwalt