Vor einigen Jahren bin ich von Berlin nach Bad Wilsnack gepilgert. Fünf Tage zu Fuß.
Kurz hinter Kyritz an der Knatter ging plötzlich alles schief. Der Himmel wurde schwarz. Wenige Minuten später war ich klatschnass. Die Pilgerherberge, auf die ich gehofft hatte, blieb verschlossen. Mein Handy hatte kaum noch Akku. Ich wusste nicht weiter.
Schließlich hielt ich ein Auto an. Die Fahrerin hörte sich meine Geschichte an. Ich bat sie, mich in einem Café oder Hotel abzusetzen. Lachend sagte sie: „Mädel, du bist in der Prignitz. Hier gibt es nichts. Aber vielleicht das Irish Pub."
Das Pub hatte natürlich geschlossen. Ich klopfte trotzdem.
Eine Frau öffnete. Sie putzte gerade den Gastraum. Ich erklärte meine Lage und fragte vorsichtig, ob ich vielleicht eine Stunde bleiben dürfte.
Sie schaute mich an, lachte und sagte nur: „Na, komm rein. Ich hab noch eine Bockwurst da."
Aus einer Stunde wurden vier. Wir aßen, tranken ein Bier und erzählten uns unser Leben. Später fand ich eine Unterkunft. Am nächsten Morgen ging ich weiter.
Wenn ich heute an diese Pilgerreise denke, erinnere ich mich nicht zuerst an den Regen. Sondern an diese offene Tür. Ich bin sicher nicht angekommen, weil ich alles gut geplant hatte. Ich bin angekommen, weil Menschen ihre Türen geöffnet haben.
So ist das. Nicht nur beim Pilgern.
Auch im Leben kommen wir oft nur weiter, weil jemand uns Türen öffnet. Uns zuhört. Oder jemand, der sagt: Komm rein. Setz dich. Ruh dich erst einmal aus.
Jesus sagte einmal: „Ich bin der Weg."
Nicht: Ich kenne den Weg. Sondern: Ich bin der Weg. Wer mir nachfolgt, der lernt Vertrauen - Schritt für Schritt.
Vielleicht zeigt sich dieser Weg manchmal ganz unscheinbar. In einer offenen Tür. In einem Platz am Tisch. In einem Menschen, der einem Fremden hilft, ohne lange zu fragen.
Ich wünsche Ihnen heute, dass Ihnen so ein Mensch begegnet.
Oder dass Sie selbst für jemanden zur offenen Tür werden.