Gott ist schwanger, er will zur Welt kommen. Er will den Abstand aufheben. Er will ganz nah ran an die Menschen, an ihre Ängste und Hoffnungen, an ihr Leid und ihre Freude. Es ist ihm nicht egal, was aus uns wird, deshalb will er einer von uns werden. Die Umstände waren bekanntlich nicht die besten, damals, als Gott in anderen Umständen war. Es herrschten Besatzung und Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Willkür. Außerdem sollten die Steuern wieder einmal erhöht werden. Die Welt, so scheint es, hat sich seit 2000 Jahren nicht viel verändert.
In diese Welt also will Gott kommen.
Er ist ja schon immer zu den Menschen gekommen. Aber dieses Mal ist alles anders.
Gott kommt nicht zu den Menschen; Er wird Mensch. Er kommt nicht zu Besuch, er will bleiben. Er kommt auch nicht so, wie viele sich das damals vorstellten. Nicht als König von Jerusalem oder Kaiser in Rom, nicht als Herrscher oder Rebellenführer, nicht als reicher Unternehmer, Guru oder wissenschaftliche Koryphäe. Nein, er kommt nieder; im wirklichen Sinne des Wortes Niederkunft - von ganz oben nach ganz unten.
Der unendliche große Gott macht sich unscheinbar klein in einem Kind.
Eine fast noch minderjährige junge Frau aus einfachen Verhältnissen, aus einem Nest irgendwo im Westjordanland, hat er sich ausgesucht. Das ist so unglaublich, dass wir es bis heute kaum glauben können. Er legt sich in unsere Hände: wehrlos und verletzlich wie einen neugeborenen Säugling. Entbindung heißt das. Gott hat die Nabelschnur durchtrennt, er hat die Sicherheitsleine gekappt. Er wird ein Mensch ohne Wenn und Aber, ganz und gar einer von uns. Er setzt sich selber dieser Welt aus, an der es damals und heute allerhand auszusetzen gibt. Er macht sich frei für uns, damit wir frei werden.
Gott wird Mensch, im Stall in Bethlehem, in den Ruinen von Gaza, in den Flüchtlingscamps im Kongo, im Krankenhaus von Saporischschja. Nicht irgendwann vor 2000 Jahren am Anfang unserer Zeitrechnung - sondern von Anfang an bis heute. Gott ist schwanger, darum können wir “Guter Hoffnung” sein.