Ein Freund von mir und ich zogen vor vielen Jahren fast zeitgleich nach Berlin. Während ich noch vergeblich versuchte, durch das S- und U-Bahn-Netz zu steigen, war er schon dabei herauszufinden, wo er einen Bootsführerschein machen konnte. Als ich ihn etwas entgeistert fragte, ob es denn jetzt nicht erst mal Wichtigeres zu tun gäbe, zuckte er die Schultern und sagte, als sei es das Selbstverständlichste der Welt: „Hey, hier gibt’s so viel Wasser – da muss man doch einfach Boot fahren können!“
Und als er mich dann einmal auf eine Bootstour mitnahm, begann ich ein bisschen, den Reiz zu verstehen.
Selbst als Landratte verstehe ich, dass das Wasser seine eigenen Gesetzmäßigkeiten hat und dass es an Bord wichtige Geräte gibt. Eines davon ist der Anker. Er sorgt dafür, dass das Boot an Ort und Stelle bleibt, wenn man es im Wasser festmachen will. Anker sind schwer, meist aus Stahl, denn sie sollen ja an jedem Grund fallen und halten können. So schwer, dass sie nicht einfach zu werfen sind. Der Anker ist über eine Kette mit dem Boot verbunden. Ohne die verbindende Kette ist der Anker weg – und das Boot irgendwann auch.
In der Bibel, im Brief an die Hebräer, wird die Hoffnung auf Gott mit einem Anker[1] verglichen. Hoffnung sorgt dafür, dass unser Lebensboot nicht vom Kurs abdriftet. Und sie kann nur richtig wirken, wenn sie nicht in uns selbst verankert ist, sondern in Gott.
Das finde ich ein sehr mutmachendes Bild. Gott wünscht sich, dass mein Lebensboot auf Kurs zu ihm bleibt und nicht durch die Strömungen und Stürme des Lebens irgendwohin getrieben wird. Und das Vertrauen zu Gott ist wie die Ankerkette, über die dieser Hoffnungsanker mit meinem Leben verbunden bleibt.
Auch wenn Sie, so wie ich, im Herzen eher eine „Landratte“ sind – haben Sie Mut und werfen Sie Ihren Hoffnungsanker einmal Gott entgegen. Und dann seien Sie gespannt, was passiert!
[1] Hebräer 6,19