Ein gebrochenes papiernes Herz hängt an einer Schnur vor einem schwarzen Hintergrund. Das Herz zeigt eine deutlich sichtbare Trennung in der Mitte, was auf verlorene Liebe oder Herzschmerz hinweist.
15.01
2026
06:50
Uhr

Schluss machen

„Tut mir leid. Ich kann nicht anders. Hass mich nicht.“ So geht das Ende einer Liebesbeziehung. Ein paar Worte – hingekritzelt auf ein Post-it, ein simpler Klebezettel für Notizen. Die Frau ist fassungslos und zieht mit ihren Freundinnen um die Häuser, zieht an einem Joint, wird von der Polizei erwischt. Ihre Freundin, selber Rechtsanwältin, versucht sie zu verteidigen: „Ihr Freund hat mit ihr Schluss gemacht. Auf einem Post-it!“ Zum Beweis hält ihm die Verlassene das gelbe Zettelchen unter die Nase. Der Polizist verhängt ein Bußgeld - und überreicht ihr den Bescheid mit den Worten: „Tut mir leid. Ich kann nicht anders. Hass mich nicht.“ Die Szene stammt aus der amerikanischen Kultserie Sex and the City. 

Wie geht Schluss machen? Die Frage stellt sich ja immer wieder mal in einem Leben, nicht nur in einer Liebesbeziehung. Ich habe die Lösung bis heute nicht gefunden. Egal, auf welcher Seite man steht – ob man verlässt oder selber verlassen wird – es tut immer weh, bereitet Kopfzerbrechen, ist unangenehm, so dass man am liebsten Reißaus nehmen möchte. Ich erinnere mich noch an meine erste große Liebe. Irgendwann war sie abgeflaut. Ich traf mich zum Spazierengehen. Erklärte mich. Wir trennten uns – nicht froh, aber ohne Feindschaft. Wenige Tage später erhielt ich ein Paket mit gemeinsamen Fotos und Briefe. Dazu ein Zettel mit ein paar wütend hingeschriebenen Zeilen: „Die Sachen behalt, stampf ein oder mach sonst was damit. Auf ein Treffen lege ich keinen Wert.“ Da saß ich nun – wie vom Donner getroffen. Verletzt, verunsichert – was hatte ich falsch gemacht? Ich habe damals all meinen Mut zusammengenommen und angerufen. Die erste Enttäuschung war verraucht. Es war wieder Platz für das, was war. Und ist es bis heute. Zu großer Liebe gehört auch Wut und Enttäuschung darüber, dass sie zu Ende ist. Und Mut, das auszuhalten, auch wenn es unangenehm ist. Damit am Ende wahr werden kann, was das Hohelied der Bibel so wunderbar besingt: Stark wie der Tod ist die Liebe… so dass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. (Hld 8, 6 f.) Damit doch bleibt, was einmal Liebe war. Und keiner den anderen hassen muss.