Irgendwann ist Weihnachten leider endgültig vorbei. Für alle, die es gar nicht abwarten können, direkt nach den Feiertagen, dann liegen schon die ersten Weihnachtsbäume abgewrackt und traurig am Straßenrand. Für andere ist es nach Silvester so weit, spätestens aber dann, wenn der Tannenbaum zu nadeln beginnt. Für viele Gläubige endet Weihnachten dagegen erst am Dreikönigsfest – für andere fängt es da erst richtig an: Orthodoxe Christen feiern erst am 6. Januar den Heiligabend als Auftakt zur Weihnachtszeit. In der katholischen Kirche endet sie mit Mariä Lichtmess am 2. Februar – genau vierzig Tage nach dem 24. Dezember. Und wer Weihnachten gar nicht verabschieden mag, richtet sich nach dem letzten Abholtermin der Berliner Stadtreinigung und schleppt erst auf den letzten Drücker den nadelnden Baum durch`s Treppenhaus oder wirft ihn in einem unbeobachteten Moment vom Balkon. Ich gehöre eher zur letzten Fraktion. Ich mag Weihnachten möglichst lange nah bei mir – ich mag den Duft nach Tanne, wenn ich nachhause komme. Ich mag die Lichterkette im Baum, die Glanz in trübe Januartage zaubert. Der Weihnachtsbaum ist fast so etwas wie ein Mitbewohner für mich geworden: Ich habe mich an ihn gewöhnt, und sein Rauswurf, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, erzeugt immer so etwas wie eine Leere in mir. Jedes Jahr wieder. Ich schaue auf den Platz, wo er gestanden hat, und bin irgendwie traurig. Mit ihm verlässt auch der Zauber von Weihnachten mein Zuhause. Er schafft es Jahr für Jahr, die Stadt friedlicher, die Menschen um mich herum aufmerksamer, die Welt wärmer und hoffnungsvoller zu machen. Alles verdammt notwendig in dieser Zeit.
Heute ist St.-Knuts-Tag. Der war König von Dänemark und soll die Weihnachtszeit damals auf satte zwanzig Tage verlängert haben: bis zum 13. Januar, dem Tag der Taufe Jesu. Heute wird in Finnland, Dänemark und Schweden abgeschmückt. Anschließend fliegen die Tannenbäume raus. Ein schwedisches Möbelhaus hat diesen Brauch bei uns bekannt gemacht. In Berlin habe ich letztes Jahr tatsächlich noch Karfreitag einen Weihnachtsbaum am Straßenrand entdeckt. Das war Anfang April. Ganz locker also. Ich sage es mal so: Egal wie lange er bei Ihnen steht – Weihnachten geht weiter. Gott ist Mensch geworden und seine Liebe nicht mehr wegzudenken aus der Welt. Darum bitte nicht vergessen: Die Krippe bleibt. Frieden ist weiterhin möglich.