Wann immer ich durch Brandenburg fahre, werde ich neidisch: so viel Platz, soviel Weite. So viele Häuser mit Garten – so viel Raum zum Leben, der noch bezahlbar scheint.
Wann immer ich durch die Immobilienportale scrolle, werde ich wütend: so viel exquisiter Dachausbau, so viele unbezahlbare Mieten, so viele Preise auf Anfrage- so viele lieblose Quadratmeter mit Parkplatzaussicht, die teuer als Garten verkauft werden in meiner Stadt. Wenn ich mich umhöre in meiner Familie und unter Freunden, dann bin ich oft fassungslos: Ich höre Geschichten von jungen Menschen, die nach Berlin kommen, um hier zu studieren und keine bezahlbare Bleibe finden. Manche quartieren sich in einer Pension ein, bis das Geld nicht mehr reicht – dann ist der Traum vom Studium in Berlin ausgeträumt. Andere bleiben länger zu Hause wohnen, als es gut ist, wenn man erwachsen wird – einfach weil es billig ist und eben nicht jeder eine Eigentumswohnung von den Eltern finanziert bekommt für Studium und Ausbildung. Und ich kenne Geschichten von der Angst, die umgeht, wenn das kleine Wort Eigenbedarf plötzlich im Raum steht oder die nächste Mieterhöhung ins haus flattert, die dann nicht mehr tragbar ist. Wohnen ist ein Menschenrecht – sagt man. Gilt für viele nicht, die gar kein Dach über dem Kopf haben oder ein zerstörtes Zuhause oder ihres aufgeben müssen aus welchen Gründen auch immer. Für alle Wohnungssucher und Heimatlosen und Immobilieneigentümer dieses Gebet:
Ein Dach über dem Kopf, Gott, bereite,
einen Platz, wo es warm ist, ein Ort, wo ich sein darf, so wie ich bin,
wo ich ruhen kann und schlafen und Menschen einladen
und mit ihnen lachen und reden bis spät in die Nacht,
eine Küche zum Tanzen – verrückt im Pyjama
ein Haus, eine Wohnung in dieser Welt
Wir sind alle Gäste auf dieser Erde
Schenk offene Türen
Schaff Platz in den Herzen
Lass mich zuhaus‘ sein – so wie in Dir.