Wenn heute davon die Rede ist, dass sich etwas verbreitet oder ausbreitet, dann hat das in der Regel einen bedrohlichen Klang. Dann denke ich an Viren, an die Folgen von Kriegen oder an die Bereitschaft extreme politische Ansichten zu vertreten.
Der baden-württembergische Dichter Otto Heinrich Kühner hat mich mit einem Gedicht daran erinnert, dass es auch positive Beispiele gibt. Er schreibt:
Pummerer, in morgendlich heitrer Ruh´,
lächelt seinem Nachbarn Mommer zu.
Dieser, durch das Lächeln ebenfalls heiter,
gibt es an den Omnibusfahrer weiter,
der an die Zeitungsverkäuferin, und die
an Dr. Müller-Zinn, Facharzt für Psychiatrie,
dieser an Schwester Elke vom Kinderhort,
diese an die Toilettenfrau – und so fort.
So kommt es schließlich irgendwann
abends gegen sechs am Schillerplatz an
bei einem im Augenblick traurig-tristen,
durch das Lächeln doch erheiterten Polizisten,
so dass er, als Pummerer den Verkehr blockiert,
den Verstoß nur mit einem Lächeln quittiert.
Seien Sie auch morgen gesegnet in all Ihrem Tun und Reden.
(Quelle: Text von Otto Heinrich Kühner, gefunden in: Der Andere Advent 1998/1999, Text zum 4. Januar, Herausgegeben von Andere Zeiten e. V., Hamburg)