Ein feines Spinnennetz ist mit zahlreichen Wassertropfen bedeckt, die im Licht funkeln. Die Tropfen hängen an den filigranen Fäden des Netzes und verleihen ihm eine glänzende, nahezu magische Erscheinung. Im Hintergrund sind unscharf grüne Blätter zu erkennen.
28.11
2025
21:58
Uhr

Geschichten wie Spinnweben

Mut, Grusel und die Kunst des Weitererzählens

Ein Beitrag von Merle Remler

Kinder lieben Geschichten, so heißt es. Aber wer meint, nur Kinder täten das, der irrt. Auch Erwachsene sind Geschichtenerzähler, und zwar von morgens bis abends.
„Hast du schon gehört?“ – „Nein, erzähl!“ So fängt es oft an. 

Wenn einer morgens aus Verzweiflung über das fehlende Gegenstück mit zwei unterschiedlichen Socken zur Arbeit geht, geht die Geschichte schon los.
Wir spinnen Geschichten wie Spinnen ihre Netze. Manchmal flunkern wir dabei. Manchmal rühren wir Mut zusammen wie einen Pudding, manchmal gibt’s Gruselkuchen zum Kaffee.

Denn unter allem, was wir tun und sagen, liegt eine Geschichte. Die uns geformt hat, die uns Träume schenkt und Ängste schürt. Erzählen wir sie, bekommt sie Konturen, Stimme und Gewicht. Sie wird – man staune – Wirklichkeit.

Und jede unserer Geschichten gehört auch denen, die zuhören, nicken oder lachen. 

Wer sagt, eine Geschichte sei zu klein, hat übersehen, dass Gott selbst der größte Erzähler ist – und jede Lebensgeschichte ein Kapitel seiner Erfolgsgeschichte.

Also: Gute Nacht. Und vergessen Sie nicht, weiterzuträumen. Gott besteht auf eine Fortsetzung!