Wenn sich das Kirchenjahr dem Ende zuneigt, werden auch die Tage stiller. Das Licht wird kühler, und Gedanken wandern zu dem, was war und dem, was bleibt. In diesen stillen Tagen kommt mir immer mal wieder die kleine blaue Blume in den Sinn, das „Vergissmeinnicht“. Eine zarte Blume, die schnell verwelkt. So wie sie sich im Sommer durch das Gras schiebt, leuchten mir heute durch die spätherbstlichen Abendstunden Erinnerungen entgegen. Erinnerungen an warme Sommertage. An Gesichter und Begegnungen, die mich berührt haben. Die mich verändert haben. Höre Worte in meinem Innern, die mich geprägt haben. Manches davon musste ich gehen lassen. Aber wie das feine Blau des Vergissmeinnichts haben diese Erinnerungen einen Farbstrich in mir hinterlassen. Und dann höre ich die Worte Jesu, die er sprach, als er mit seinen Jüngern das Abendmahl feiert: „Solches tut zu meinem Gedächtnis.“ Nicht vergessen und weiterleben. Diese Aufforderung höre ich heute daraus. Morgen mag es eine andere sein. Doch egal wie es kommt, Gott vergisst uns nie.
Vergissmeinnicht: Spuren der Erinnerung im Spätherbst
Ein Beitrag von
Merle Remler