Zwei Hände nähern sich einander, eine Hand öffnet sich, während die andere in einer schützenden Haltung verweilt. Im Hintergrund sind unscharfe Olivenbäume zu sehen, während das Licht der untergehenden Sonne eine warme Atmosphäre schafft.
16.03
2026
21:58
Uhr

Gott ist ein Tätigkeitswort

Ein Beitrag von Merle Remler

Heute Abend, als ich die Lesezeichen gesteckt und die Bücher zugeschlagen habe, möchte ich nichts weiter mehr wissen.
Keine Antworten mehr auf die klugen Fragen der Denker suchen.
Keine Fragen mehr zu den klugen Antworten formulieren, die ich nicht gefunden habe.

Ich möchte, dass Gott ein Gedanke ist – aber kein Begriff, kein Lehrsatz.
Mein Gott ist der, der Mensch geworden ist, der in staubigen Straßen ging, Brot brach und Wunden heilte.
Der schwieg – und dennoch das Wort des Lebens blieb.

Dieser Gott kommt zu mir in der Stille, und dort begegne ich ihm.
Er bringt keine Erklärungen, sondern Barmherzigkeit – und Lachen.
In der Nacht, wenn die Angst anklopft, legt er mir seinen Frieden ins Herz.

Das ist mein Gott – der Gekreuzigte und Auferstandene.
Ich kann ihn nicht beweisen; ich kann nur glauben, dass er die Frage und die Antwort ist.

Und so habe ich – mit den Worten des Pfarrers und Dichters Kurt Marti gesprochen – heute Abend nur noch einen Wunsch:

Dass Gott ein Tätigkeitswort werde.

 

Lit.: Marti, Kurt, Zärtlichkeit und Schmerz. Notizen. Darmstadt und Neuwied 1980, Seite 135.