Eine weiße Feder mit einem orangefarbenen Strang schwimmt sanft auf dem ruhigen Wasser. Die Wasseroberfläche zeigt einige sanfte Wellenbewegungen, die das Bild der Feder reflektieren. Eine weiße Feder mit einem orangefarbenen Strang schwimmt sanft auf dem ruhigen Wasser. Die Wasseroberfläche zeigt einige sanfte Wellenbewegungen, die das Bild der Feder reflektieren.
Eine weiße Feder mit einem orangefarbenen Strang schwimmt sanft auf dem ruhigen Wasser. Die Wasseroberfläche zeigt einige sanfte Wellenbewegungen, die das Bild der Feder reflektieren.
22.03
2026
21:58
Uhr

Worte für die Stille

Ein Beitrag von Merle Remler

Wenn sich die Dämmerung über die Erlebnisse des Tages legt und wir uns zwischen dem Ende der Geschichte von heute und dem Beginn der Geschichte von morgen wiederfinden, entsteht manchmal eine kleine Stille.
Wie die kaum wahrnehmbare Pause zwischen zwei Tönen in einer Melodie – man hört sie kaum, aber sie durchdringt das ganze Stück, sie wohnt im ganzen Haus.

Ich habe einmal gelesen, es gäbe „eine Sprache, die ein Wort für jene Stille [hat], die eintritt, nachdem der Besuch gegangen ist.“
„Vielleicht“, so überlegte die Autorin weiter, „gibt es auch eine Sprache mit einem Wort für die Stille, nachdem man ausgeatmet hat. Oder für die Stille, nachdem eine Geschichte zu Ende ist. Oder bevor sie beginnt.“

Diese Stille – so denke ich – ist die, die sich mit dem Erlöschen der Saalbeleuchtung einstellt, bevor sich der Vorhang öffnet.
Wenn das Bonbonpapier in der Hosentasche knistert, obwohl man vor Spannung den Atem anhält. Und vielleicht holt Gott in genau dieser Stille tief Luft.

 

Lit.: Hagena, Katharina, Flusslinien, Kiepenheuer & Wisch, Köln 2026, Seite 7.