Heute ist Reformationstag. Ein Tag, an dem viele Christen sich an den Mönch Martin Luther erinnern. An Thesen, Türen und den ziemlich verwegenen Gedanken, dass man die Welt verändern kann, indem man widerspricht.
Ob Luther seine 95 Thesen tatsächlich eigenhändig an die Kirchentür schlug, darüber streiten die Historiker. Vielleicht ist das auch ganz passend. Denn Reformation heißt ja nicht: Einer weiß endgültig Bescheid. Sondern: Da schaut einer noch einmal genau hin. Glaubt nicht alles, widerspricht und entdeckt unter all dem, was sich angesammelt hat, etwas wieder, das beinahe verloren gegangen war.
Luther hat neben vielen anderen Dingen Gottes Liebe gefunden. Eine Liebe, die man sich nicht verdienen muss. Nicht durch Leistung. Nicht durch Frömmigkeit. Eine Liebe, die uns geschenkt ist, bevor wir irgendetwas getan haben. Das ist ein so ermutigender Gedanke.
Wenn ich an manchen Abenden Bilanz ziehe und feststelle, dass auch heute nicht alles reformationswürdig und gelungen war, lege ich meinen inneren Rotstift beiseite und weiß:
Gottes Grammatik unterscheidet sich von der unseren.
Schlafen Sie gut und seien Sie ab und an einfach mal ein bisschen widerständig.