Ich kenn ein Ufer,
Vom Duft des wilden Thymians umweht,
Wo’s Veilchen nickt, die Schlüsselblume steht,
Darüber wölbt sich dicht ein Baldachin
Aus Heckenrosen, Geißblatt und Jasmin.
Dort schläft Titania manchmal nächtens ein,
Von Düften eingelullt und Ringelreihn.
So sind für mich die Sommernächte – so wie sie Oberon, der König der Elfen aus Shakespeares Sommernachtstraum beschreibt – diese kurzen, stillen Fenster zwischen Tag und Traum. Manchmal liegt etwas in der Luft, das sich kaum greifen lässt.
Ein Duft, ein Flüstern, ein Gefühl, das sich zwischen den Blättern versteckt.
Es sind die Momente, in denen die Zeit sich dehnt und wir mit ihr.
In denen Gedanken langsam werden, und das Herz das Flüstern der Nacht hört.
Wie ein zarter Traum, der uns sanft berührt.
Vielleicht sind es genau diese Nächte, die uns erinnern, dass das Leben nicht nur in den großen Momenten stattfindet, sondern auch in der Stille dazwischen. Ein Sommernachtstraum – nicht nur Shakespeare, sondern ein Versprechen. Dass wir auch im Jetzt, im Zwischenraum, noch träumen dürfen.
Aus: William Shakespeare, Ein Sommernachtstraum, üs. Deutsch von Rainer Iwersen, Deutscher Theatherverlag.