Eine Reihe von bunten Adventsstiefeln hängt an einer Schnur. Die Stiefel sind hauptsächlich rot und grün, einige mit Zahlen oder Herzen dekoriert. Der Fokus liegt auf dem roten Stiefel mit einer grünen Herzapplikation, die die Zahl 8 zeigt.
01.12
2025
06:50
Uhr

Adventskalender

Ein Beitrag von Matthias Drodofsky

Jetzt ist es soweit: Der Countdown bis Weihnachten läuft – das erste Türchen am Adventskalender ist geöffnet – so man denn einen hat. Tatsächlich war der Adventskalender zu diesem Zweck erfunden worden - um Kindern die Zeit bis Heiligabend zu verkürzen. Mit Kleinigkeiten, Bildchen, Geschichten, oder ähnlichem - um das Warten besser auszuhalten.

Ab den 50er Jahren wurde der Dezember dann mit ersten Schokoladenadventskalendern versüßt. Mittlerweile ist das Kalendergeschäft ein riesiger Markt und die Vielfalt beinahe grenzenlos: Von Süßkram bis hin zu Spielzeug für Kinder oder Edles für Erwachsene.

Und tatsächlich! Es ist doch deutlich leichter, sich an einem kalten Dezember morgen aus dem gemütlichen, warmen Bett zu wagen, wenn man weiß, es wartet eine kleine Freude, eine kleine Überraschung hinter einem der Türchen.

Ich frage mich, was wäre, wenn man ganzjährig einen Adventskalender hätte - würde der Effekt sich abnutzen? Wahrscheinlich würde man sich schlichtweg daran gewöhnen jeden Morgen beschenkt zu werden. Es hätte nicht mehr den Reiz des Besonderen, sondern wäre Teil der morgendlichen Routine. So wie der frisch gebrühte Kaffee. Oder die warme Dusche. Oder ein gutes Frühstück. Oder ein warmes Bett, aus dem man aufsteht. Oder ein Dach über dem Kopf.

Wenn ich anfange, diese Dinge aufzuzählen, merke ich, dass eigentlich nichts davon selbstverständlich ist. Jeden Morgen versorgt zu sein, ist ein großes Geschenk. Trotzdem passiert es ganz schnell, dass ich all diese Sachen als selbstverständlich erachte und kaum wahrnehme.

Ob es gelingen könnte, jeden Tag - nicht nur im Advent - mit einer Haltung der Dankbarkeit, zu beginnen? Eine Dankbarkeit für all die Dinge und Annehmlichkeiten, an die wir so sehr gewöhnt sind? Ein bewusstes Wahrnehmen, womit ich beschenkt bin? Das wäre eine Haltung, die gut passt in diesen Advent, wo Leben so anders und schwer ist gerade für viele Menschen nah bei uns.