„Wünschen darf man sich alles“, pflegte meine Mutter zu sagen, wenn ich wieder mal meine Weihnachtswunschliste randvoll beschrieben hatte. Das klang zunächst sehr vielversprechend: Wünsch Dir alles! Eigentlich hieß das am Ende aber nur mit anderen Worten: Du bekommst nicht alles, was du dir wünscht. Aufschreiben: ja - alles bekommen: nein. Nachdem ich das verstanden hatte, passte ich meine Wunschliste dementsprechend an. Ich beschränkte meine enthusiastische Schreiberei und lernte bescheidenere Wunschzettel zu schreiben. Ich hatte meine Lektion gelernt: Nicht immer alles zu bekommen, was und wie man es gerne hätte, gehört zum Leben dazu.
Trotzdem ist es nicht immer eine gute Lösung, seine Wünsche gegen einen wunschlosen Realismus einzutauschen. Es gibt Wünsche, die lohnen, weiter gewünscht und geträumt und verfolgt zu werden.
Ich denke dabei insbesondere an die, die über den persönlichen Weihnachtswunschzettel hinausgehen: Wünsche, die uns als Gesellschaft ein Bild oder eine Hoffnung vermitteln, wie zum Beispiel gutes Miteinander in unserer Stadt, in unserem Land aussehen könnte.
Um zu wissen, wohin wir als Gesellschaft gehen wollen, braucht es neben allem politischem Pragmatismus immer auch Wunschbilder, die vor Augen malen, wie es besser gehen könnte. Wünsche, die aus dem Herzen kommen und eine Gesellschaft erträumen, in der niemand aufgrund seines Geschlechtes und seiner Hautfarbe schief angesehen oder diskriminiert wird. Das wäre für mich so ein Wunsch!
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die sich nicht damit zufriedengibt, dass Spaltungen in der Gesellschaft immer mehr zunehmen, sondern in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und politischer Ansichten lernen, wieder miteinander zu reden.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der sich jeder eine Wohnung leisten kann und allen die Gesundheit dieses Planeten am Herzen liegt.
Ach, große Wünsche - ich weiß. Aber wünschen darf man sich schließlich alles.