Ein zarter Pflanze trinkt aus der Erde, die in zwei Händen gehalten wird. Eine Hand reicht die Pflanze weiter, während die andere Hand sie empfängt. Der Hintergrund ist weich und grün, was eine Verbindung zur Natur symbolisiert.
20.05
2026
06:50
Uhr

Befiehl du deine Wege

Man hört es: der Text ist schon alt, er stammt aus dem Kirchenlied „Befiehl du deine Wege“ aus dem 17. Jahrhundert. 

Gottes Arbeit darf also nicht ruhen, er kümmert sich unermüdlich um seine Kinder.

Paul Gerhardt schreibt dieses Lied voller Zuversicht, auch wenn es um ihn herum gar nicht danach aussieht.

Gerhardt lebte im Schatten des Dreißigjähriger Kriegs – einer Zeit voller Verwüstung, Gewalt und existenzieller Not. Doch seine Worte sind nicht von Resignation bestimmt. Sie sind durchzogen von einer leisen, aber unbeirrbaren Hoffnung. Er hat den Glauben nicht verloren. Er begleitet Christinnen und Christen bis heute und ist, wenn man so will, ein geistlicher Wegweiser durch das Leben. 

Paul Gerhardt hat in seinen Liedern den Streit zwischen Katholiken und Protestanten überwunden, seine Texte sind im katholischen Gotteslob genauso abgedruckt wie im evangelischen Gesangbuch. 

Wenn ich an Paul Gerhardt und seine Lieder denke, höre ich einen Menschen, der aus der Tiefe seines Glaubens spricht – getragen von Vertrauen, gezeichnet vom Leid seiner Zeit, und zugleich voller Hoffnung.

Darin liegt eine große, sehr konkrete Wahrheit des Glaubens. Christlicher Glaube bedeutet nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Er bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – für andere, für die Welt, für die kommenden Generationen.

Gerhardt verbindet Vertrauen auf Gott mit menschlichem Tun. Für Frieden. Für Gerechtigkeit. Für die Bewahrung der Schöpfung. Und so bleibt dieses alte Lied erstaunlich aktuell. Tagtäglich werden wir mit den Problemen dieser Welt konfrontiert. Doch wir haben es in der Hand. Wir sind nicht ohnmächtig gegenüber den gesellschaftlichen Spannungen, den vielen Kriegen, die unseren Frieden erschüttern. Und das Lied von Paul Gerhardt erinnert uns daran und kann uns Orientierung geben. Es lädt uns ein, unser Leben Gott anzuvertrauen – und zugleich mutig unseren Weg zu gehen.

Ich wünsche Ihnen, dass dieses Lied Ihnen heute vielleicht auch den Mut gibt, anzupacken. Für eine geeintere, friedlichere Welt.