Zwei Hände erheben sich gegen einen Sonnenuntergang, während die Sonne am Horizont aufgeht. Die Silhouette der Berge bildet den Hintergrund, und die Farben des Himmels reichen von orange bis blau, was eine friedliche und ergreifende Stimmung vermittelt.
22.05
2026
06:50
Uhr

Gib dich zufrieden

Ein Beitrag von Martin A. Liedtke

Das ist keine Bestellung an einem Imbiss, sondern ein Liedwunsch zum Geburtstag.

Wer Geburtstag hatte, darf sich im Seniorenkreis unserer Gemeinde ein Lied wünschen, und wir anderen singen es dann, so schön wir nur können.

Seit ich Rosi Radigk kenne, hat sie sich nie ein anderes Lied gewünscht.

Natürlich von Paul Gerhardt, wenn auch nicht eines seiner Bekanntesten. Der Titel überrascht und scheint ein wenig aus der Zeit gefallen!

Gib dich zufrieden und sei stille!-

Das klingt eher nach einer gereizten Mutter mit quengelndem Kleinkind an der Kasse als nach einem Geburtstagslied!

Rosi Radigk aber hört dieses Lied ganz anderes.

Es ist für sie ein absolutes Trost-, ja mehr noch ein Demutslied, das sie vor über 30 Jahren aus der aller tiefsten Trauer gezogen hat und bis heute ihr Herz berührt!

Unzählige Male hat sie es zunächst nur gehört - auf einer Schallplatte - und dann immer öfter auch mitgesungen.

Bis heute liest und meditiert sie den Text und findet ganz besonders in dessen vierten Strophe Sinn und Hoffnung!

 

Dort heißt es: 

Er weiß dein Leid und heimlich Grämen,

auch weiß er Zeit, dir’s abzunehmen. 

Gib dich zufrieden!

Insgesamt 16 mal fordert Paul Gerhardt die Singenden und Hörenden seines Liedes zur Zufriedenheit auf.

Satte 16 Mal, weil er weiß dass es nicht jedem Menschen leicht fällt, sich an dem zu erfreuen und auszurichten, was da ist, anstatt zu beklagen, was fehlt.

Wem das aber gelingt, wer voll Vertrauen ist, dass Gott auch das Schwerste irgendwie mitträgt, gelangt in einen Zustand innerer Zufriedenheit, die geradezu ansteckend ist – war sich Paukl Gerhardt sicher – aus eigener Erfahrung, so wie Rosi.

Wenn Zufriedenheit ein Gesicht hat, dann wäre es für mich das von Rosalinde – wie sie eigentlich heißt.

Freilich, das Alter und die Gesundheit beschäftigen auch sie, aber wenn „Luft und Kraft“ vorhanden sind, dann kann sie garnicht anders, als Trost und Zuversicht, die Sie selber in ihrem Leben erfahren hat, irgendwie weiterzugeben:

Unzählige einsame Menschen hat sie in unserer Gemeinde besucht, 

Karten geschrieben, 

Blumen gebracht, 

 selbstgestrickte Socken verschenkt, deren Fadengesamtlänge wohl dreimal bis zum Mond und zurück reichen würde!

 

„Für mich die 371!“ Aber klar!

Und für alle Menschen ein bisschen mehr Demut und Zufriedenheit!