Paul Gerhardt war ein Meister der Genres. Seine Lieder beschränken sich nicht auf Trost und schöne Bilder. Sie dienen nicht nur der Erbauung. Der protestantische Pfarrer und Poet konnte auch das, was ich das „Festmachen“ im Gesang nennen würde. Singen, wovon man nicht weichen will. „Here I am“ sozusagen, mancher wird den Gegenwartsklassiker von Bryan Adams im Ohr haben, im Fußballstadion auch mal: here we go. Da sind wir. Bekenntnislied heißt das im kirchlichen Fachjargon, von Paul Gerhardt gibt es ein besonders schönes, das so beginnt: Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich, sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Wer die dazugehörige, leicht singbare, zugleich entschlossen voranschreitende Melodie schon mal vernommen hat – eine englische Weise aus dem 16. Jahrhundert, und das können die Engländer ja bis heute phantastisch: entschlossen voranschreiten -, der ahnt ein freundliches here we go mit Gott: Ist Gott für mich so trete, gleich alles wider mich.
Bei Paul Gerhardt muss man nicht lange im Lebenslauf suchen, um auf Widerständiges zu stoßen, das ihm das Leben hart gemacht hat. Krankheiten und Seuchen, die auch seinen Liebsten das Leben kosteten. Der 30jährige Krieg mit seiner Verheerung, die Neuzeit prägend und doch anscheinend nicht genug abschreckend, was das Krieg anzetteln angeht. Und – auch das gehört zu Paul Gerhardt – eine Obrigkeit, die dem Kirchenmenschen seinen Glauben vorschreiben wollte. Paul Gerhardt hat entschieden die Freiheit gewählt und dafür auch Pfarrstelle und zu Hause in Berlin aufgegeben. Da hilft das Festmachen im Gesang, das Singen, in dem die Zweifel ausgesprochen, aber auch aufgehoben werden. 13 Strophen lang kann man in diesem Lied mitgehen, bis es in der letzten Strophe geschafft ist: das mutige Aufstehen, Aufbruch, Neubeginn. Da heißt es: Mein Herze geht in Sprüngen. Das soll es wohl bei diesem Lied, durch das die Worte vom Gerhardtschen Namensbruder in der Bibel, Paulus, durchscheinen: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, nicht Mächte und Gewalten, nicht Tod noch Teufel. Ja: Im Glauben festmachen. Konfirmieren auf Latein. Ja, zu den Konfirmationen dieser Wochen dürfte Paul Gerhardt auch passen, das wünsche ich den jungen Menschen in Berlin und Brandenburg, allen, die sich da in den Glauben stellen und verankern: Gott ist für dich. Gott ist für uns. Here we go.