„Juten Tach erstmal. Mitkommen. Augen aufmachen – da steht doch, wo se det finden.“ Ach herrje. Meine allererste Woche in Berlin. Es fehlte noch das ein oder andere – also ab in den Baumarkt. Endlich habe ich einen Mitarbeiter gefunden, ein richtiges Berliner Original. Inzwischen weiß ich: Es ist meist gar nicht so schroff gemeint, wie es –für mich Nicht-Berliner – oft wirkt. In jedem Fall wurde mir sehr kompetent weitergeholfen. Ich habe bekommen, was ich gebraucht habe, und gehe inzwischen – immer noch mit Respekt – aber mit deutlich weniger Angst in den Baumarkt.
Die Berliner Schnauze: typisch für Berlin, und fest verankert im Ruf der Hauptstadt.
An einer Stelle aber ist Berlin ganz anders als sein Ruf. Ich weiß das, weil ich schon in verschiedenen Regionen gelebt habe: Baden, Württemberg, Oberbayern, Ostwestfalen. Alle mit ihren regionalen Eigenheiten. Überall habe ich denselben Sport gemacht, nämlich: laufen gehen. Und deshalb kann ich aus eigener Feldforschung sagen: Nur in Berlin grüßen sich Joggerinnen und Jogger, wenn sie sich begegnen. Ohne sich zu kennen. Es ist fast so wie bei Bus- oder Tramfahrern, die sich entgegenkommen – sie grüßen sich immer. Auch wer in Berlin joggen geht, nickt sich zu, winkt mit der Hand, hebt den Finger oder die Augenbraue zum Gruß.
Ich liebe das.
Und ich frage mich: Wie wäre es, wenn man das nicht nur auf der Laufrunde täte? Sondern im Alltag: dem Menschen, der einem begegnet, eine kurze Aufmerksamkeit schenken, ihm oder ihr zunicken, nur eine kleine Geste zum Gruß.
In der Bibel lesen wir, dass Gott sagt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“ (Jes 43,1) Das heißt: Du bist wichtig. Du wirst wahrgenommen. Es macht einen Unterschied, dass du da bist.
Ja, wahrscheinlich verbinden die Menschen, die mir beim Joggen begegnen und mich grüßen, damit keine große Sache – und meinen Namen kennen sie auch nicht. Aber oft steckt das Besondere auch im Kleinen. In der Kleinen Geste, die sagt: Ich sehe dich. Und noch mehr: Gut, dass du da bist.