04.10
2025
06:50
Uhr

Supermarktkasse

Selbstlosigkeit im Alltag

Ein Beitrag von Lukas Hetzelein

Ein langer Tag geht zu Ende, ich steige am Ostkreuz aus der S-Bahn, es ist kurz vor 10 Uhr abends, ich will so schnell wie möglich nach Hause. Nur noch schnell etwas Obst im Supermarkt holen, der zum Glück noch offen hat. 

An der Supermarktkasse bin ich zufrieden: nur zwei Personen vor mir. Aber dann fällt mir auf: Bei der Frau an der Kasse gibt es ein Problem. Ich höre zu: Nein, ich möchte das Geld nicht zurück, sondern nur den Kakao, den ich bezahlt habe. Ach herrje, denke ich. Das sieht nach einer längeren Diskussion aus. 

Der Verkäufer holt den Filialleiter. Er versucht zu klären: Die Maschine sollte eigentlich auch noch gar nicht aus sein, ermahnt er seinen Mitarbeiter. Wir überweisen Ihnen das Geld zurück auf die Karte, bietet auch er an. Lasse ich meinen Einkauf einfach liegen, überlege ich ungeduldig? Wer braucht auch nachts um 22 Uhr noch eine heiße Schokolade. Die Diskussion an der Kasse setzt sich fort. 

Die Frau bleibt beharrlich und hat Erfolg. Der Filialleiter schaltet die Maschine wieder an und sichert zu, dass sie die heiße Schokolade bekommt. 

Ich bin erleichtert. Inzwischen wurde auch eine zweite Kasse geöffnet, so dass ich doch nicht auf meinen Einkauf verzichten muss. Und dann passiert etwas Wunderliches: Die Frau verlässt den Supermarkt – ohne Kakao. Was habe ich verpasst? 

Vor der Tür klärt es sich auf: Sie spricht einen offenbar wohnungslosen Menschen an – auch mir hatte er vorher einen Becher mit der Bitte um Kleingeld hingehalten: Die an der Kasse wissen Bescheid, sagt sie zu ihm. Es dauert nur zwei Minuten, bis die Maschine aufgeheizt ist. Bezahlt ist er schon. Dann geht sie weiter ihren Weg.

Ich bin baff. Ich schäme mich für meine Ungeduld und bin fasziniert von der Selbstlosigkeit der Frau. Wie standhaft sie geblieben ist, obwohl es gar nicht um ihr eigenes Bedürfnis ging. 

Jesus hat einmal gesagt: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Beeindruckt und gerührt setze ich meinen Weg nach Hause fort.