Meine Challenge diese Woche?! Jeden Morgen mit einem Lied auf den Lippen zu beginnen. Und zwar keines aus den Charts, kein Schlager aus den 90gern, kein TikTok-Hit, das Lied stammt aus dem 17. Jahrhundert.
Es ist wirklich eine Challenge. Allein die Sprache ist für heutige Ohren eine Herausforderung. Hören Sie selbst, so beginnt die 8. Strophe:
Treib unsern Willen, / dein Wort zu erfüllen;
hilf uns gehorsam wirken deine Werke;
Die Worte stammen aus der Feder des dichtenden Theologen Paul Gerhardt, der im 17. Jahrhundert vor allem in Berlin, Mittenwalde und Lübben wirkte. Ein echter Berlin-Brandenburger würde man meinen. Paul Gerhardt allerdings war zu seiner Zeit ein echter Preuße: Pflichtbewusst und ein frommer Christ.
Treib unsern Willen, / dein Wort zu erfüllen;
hilf uns gehorsam wirken deine Werke;
Von sich selbst mal absehen. Und auf den schauen, der es gut meint, mit mir und der Welt und der das alles erschafft und erhält. …Uuups, da komm ich glatt selbst ins Dichten. Wahrscheinlich, weil ich es einfach genauso seh wie Paul: Sich selbst mal aus dem Mittelpunkt nehmen, weniger Ich und mehr … Gott.
Hilf uns gehorsam wirken deine Werke – ich geb zu, das wär jetzt nicht so meine Sprache, aber der Sache nach: In den 10 Geboten und der Idee mit der Nächstenliebe steckt schon viel drin, was unser Miteinander echt voranbringen würde.
Und weil Paul Gerhardt auch schon wusste, dass der innere Schweinehund beim Tun des Guten manchmal im Wege steht, geht die Strophe bittend zu Ende:
Hilf uns gehorsam wirken deine Werke / und wo wir schwach sind, da gib du uns Stärke. / Lobet den Herren!
Damit hab ich die Herausforderung heut nicht nur angenommen, sondern schon erfüllt: Zumindest gelesen hab ich den Text und ich glaub, ich hab auch verstanden, was der Dichter mir damit sagen wollte.
Fehlt nur noch das Singen – aber das tu ich allein und ich wünsch ihnen, dass auch Sie heute noch irgendein Liedchen pfeifen, dass Ihnen beim Tun des Guten hilft.