Das Bild zeigt eine geometrische Struktur aus verspiegelten Flächen, die den Himmel und die umliegenden Berge reflektiert. Die Anordnung der Spiegel erzeugt eine kaleidoskopartige Wirkung, die das Licht und die Landschaft auf interessante Weise verzerrt und vervielfältigt.
29.04
2026
06:50
Uhr

Die Zeiten sind nicht einfach

Visionen in schweren Zeiten – Orientierung finden trotz Zweifeln

Ein Beitrag von Mario Junglas

Die Zeiten sind nicht einfach. Kriege und Teuerung, wirtschaftliche Unsicherheit und politische Unklarheit: Das ist eine belastende, beängstigende Mischung. Dass es bald mit Politik und Wirtschaft besser werden wird, kann ich kaum glauben. Und ich zweifle auch, dass die Demokratie rasch wieder kraftvoll erstarken wird. Ich vermisse ein Leitbild, eine Zukunftshoffnung, für die mein Einsatz lohnt. Über weite Strecken bin ich einfach ratlos.

In der Bibel finde ich eine ähnliche Situation: Das Volk Israel steckt in der Krise. Es spürt Gottes Gegenwart nicht mehr, fühlt sich allein gelassen. Früher hat Gott Israel aus Ägypten befreit und sein Volk geleitet. Aber jetzt sind die Menschen ratlos und orientierungslos. Die Bibel sagt: „In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten. Visionen waren nicht häufig.“ 

Ob in unserer Situation Visionen helfen, ist fraglich. Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, sagte einmal ein Bundeskanzler. Aber ohne Visionen geht es auch nicht. Ohne die Vorstellung einer positiven, erstrebenswerten Zukunft können wir den gegenwärtigen Mangel nur verwalten. Zugleich ist unklar, wo die Visionen herkommen sollen.

In der Bibel ist die Lösung einfach: Gott schickt den Propheten Samuel, der Gottes Wort und als Seher auch Orientierung für die Zukunft bringt.

Nun sehe ich in unserer Zeit keinen gottgesandten Propheten. Aber vielleicht geht es auch eine Nummer kleiner. Seit seinem Amtsantritt verfolge ich, wie Papst Leo unermüdlich für den Frieden wirbt. Fast täglich und bei jeder Gelegenheit zeichnet er das Bild einer Welt, die von Verständigung und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Die Opfer der Kriege hebt er als unübersehbare Mahnung für den Frieden hervor. Er wird nicht müde gegen die Logik von Herrschaft und Gewalt die Logik der Barmherzigkeit Jesu und den Vorrang der Gerechtigkeit zu betonen. 

Diese Vision verändert nicht unmittelbar die Welt. Aber sie gibt Orientierung, in welche Richtung ich meine Kräfte einsetzen kann. Und ich habe den Papst als Verbündeten.