Drei Jungs, keiner älter als zwölf Jahre, fahren auf einem gemieteten Elektroroller auf dem Bürgersteig. Plötzlich blockieren die kleinen Räder, der Lenker stellt sich quer und die drei stürzen. Glücklicherweise hat sich keiner ernsthaft verletzt. Es hätte auch anders ausgehen können.
Wie kommen die Jungs überhaupt an den Roller? Nur Volljährige können den Mietvertrag abschließen. Also muss ihnen ein Erwachsener den Zugang zu dem Fahrzeug verschafft haben. Wahrscheinlich wollte er den Jungen einen Gefallen tun, eine Freude machen. Zugleich hat er sie ungewollt in eine gefährliche Situation gebracht.
Die Bibel sagt im vierten Gebot: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt!“ Ich möchte dieses Gebot gerne umdrehen: „Du sollst Deine Kinder ehren, damit sie lange leben und Du Deiner Rolle als Mutter und Vater gerecht wirst.“ Die Kinder ehren heißt nicht, ihnen alles erlauben und ermöglichen, worauf sie Lust haben und was ihnen gerade in den Sinn kommt. Es heißt, sie als das zu sehen und zu fördern, was sie sind: Junge Menschen, die wissbegierig und neugierig sind, gerne Risiken eingehen und Freude am Ausprobieren haben. Die zugleich ihre Fähigkeiten und Kräfte und die möglichen Folgen ihres Handelns noch nicht richtig einschätzen können.
Deshalb brauchen sie Erfahrung und Anleitung Erwachsener – nicht um Risiken auszuweichen und Herausforderungen zu meiden. Sondern um zu lernen mit ihnen angemessen umzugehen und auch die Folgen tragen zu können, wenn etwas schief geht. Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen auch Grenzen aufzeigen, damit die Kinder und andere keinen Schaden nehmen. Das ist lästig für die Kinder und manchmal schwierig für die Eltern. Und noch schwieriger ist das für uns Großeltern. Schließlich will ich ja gut dastehen in den Augen meiner Enkelkinder, als verständnisvoller, zeitgemäßer Opa. Doch wenn ich das Beste für meine Kinder und Enkel will, werde ich um die Anstrengung nicht herumkommen, nicht immer „Ja“ sondern manchmal auch „Nein“ zu sagen.