Eine Gruppe von Menschen führt Müllsammlung in einem Waldgebiet durch. Im Vordergrund steht ein junger Mann in einem hellblauen T-Shirt mit verschränkten Armen und einem entschlossenen Gesichtsausdruck. Hinter ihm sind zwei Personen, die Müllsäcke füllen.
20.06
2026
06:50
Uhr

Ehrenamt

Ein Beitrag von Claudia Mieth

Manni tut alles weh, der Rücken, die Beine und vor allem die Hand, mit der er fünf Stunden lang die Greifzange bedient hat. Heute haben sie den kleinen Park zwischen den Hochhäusern gereinigt. Unglaublich, was die Leute so alles achtlos liegen lassen: Flaschen, Stühle, Kleiderbügel. Danach waren sie alle fix und fertig.

Aber: Manni ist glücklich wie schon lange nicht mehr. Endlich ist er nicht mehr mutterseelenallein. Vor einer Woche sah es noch ganz anders aus. Seit einem Jahr wohnt er nun schon in der kleinen Neubauwohnung im zwölften Stock weit weg von seinem Heimatort. Dort hatte er seine Familie und vor allem seine Kumpels, aber keinen Job. Nach der Ausbildung konnte ihn der Betrieb nicht übernehmen. Hier in der Stadt hat Manni Arbeit gefunden, aber das Alleinsein frisst ihn auf. Immer wieder hat er überlegt, einen Kollegen auf ein Bier einzuladen, aber die sind entweder älter, wohnen sonstwo oder haben eine Familie, die am Abend auf sie wartet.

Die Menschen hier im Haus hört er nur durch die verschlossenen Türen: Stimmen, Musik und immer wieder Streit bei dem die Türen knallen. Und wenn er dann mal jemanden im Hausflur oder Fahrstuhl trifft, hat er sofort das Gefühl, schief angeschaut zu werden – er gehört hier eben nicht hin.

Beim Bäcker sah Manni dann den Aushang: „Kommt und packt mit an – wir retten unseren Park“ stand da. Also beschloss er, mal zu schauen, was da so für Leute hinkommen. Und als er dann gerade überlegte, wieder umzudrehen, hatte Sascha ihm diese Greifzange in die Hand gedrückt. Mit breitem Grinsen erklärte er: „Wir sind sonst zu wenige“.

Also blieb Manni und hat sich mit Sascha und den anderen sogar noch zu einem kleinen Picknick verabredet. Sie wollen einen Verein gründen, der sich um die Grünanlagen in ihrer Siedlung kümmert.

Allein in Berlin gibt es schätzungsweise 27.000 eingetragene Vereine. In jedem davon sind Menschen ehrenamtlich engagiert. Ob für die Rettung eines Parks, zum Singen oder wie die Berliner Seehunde gemeinsam ins Freibad zu gehen. Denn genau darum geht es, etwas gemeinsam zu tun. Das macht nicht nur Freude, sondern schafft Beziehung und Zusammenhalt. Und manchmal eben auch ein echtes Ankommen in einer neuen Heimat.

Wo Menschen einander so begegnen, wird etwas von dem spürbar, was viele göttlich nennen: dass niemand nur für sich bleibt. Dass Leben sich teilt. Und dass daraus Gemeinschaft wächst. Gott sei Dank für diese Initiativen.