Eine junge Frau sitzt auf einem Bett, streckt ihre Arme nach oben und lächelt entspannt. Hinter ihr sind helle Fenster, durch die Tageslicht scheint. Die Atmosphäre ist ruhig und einladend, was einen Moment der Entspannung und des Wohlbefindens vermittelt.
12.07
2025
06:50
Uhr

Ein gemeinsamer Tag der Ruhe

Ein Beitrag von Hans-Joachim Ditz

„Sechs Tage sollst Du arbeiten, am siebten Tag sollst Du ruhen.“ (Ex 23,12) So steht es in der Bibel. Aber Hand auf’s Herz: Wer arbeitet noch 6 Tage? Die 5-Tage-Woche ist heute der Standard. Erkämpft von den Gewerkschaften in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Legendär, wenn heute auch nicht mehr gendergerecht, der Slogan der Kampagne: „Samstags gehört Vati mir!“ Und heute ist sogar die vier Tage Woche im Gespräch und für manche auch schon Realität. 

Doch der tiefere Sinn des Gebots der Bibel ist nicht die Begrenzung der Arbeitszeit. Es geht nicht um die 6 Tage Arbeit, sondern um den siebten Tag der Ruhe. Und dieser Tag ist nicht individuell festlegbar, sondern als Unterbrechung der Geschäftigkeit für die ganze Gesellschaft gedacht. Die Juden halten sich zumeist noch streng daran und heiligen den Sabbat, der nach jüdischem Kalender der Samstag ist. Das öffentliche Leben ruht. Ein Tag der besonderen Gebete und Riten. Ein Tag für Gott, der auch am siebten Tag seiner Schöpfung geruht hat. 

Im Christentum wurde der Sabbat zum Sonntag. Tag der Auferstehung Christi von den Toten. Ein neuer inhaltlicher Akzent kommt hinzu, doch die Verpflichtung zur Sabbatruhe bzw. jetzt Sonntagsruhe bleibt. Zumindest für lange Zeit. In Deutschland besteht sie noch, doch in vielen anderen Ländern ist sie schon gefallen, selbst im katholischen Polen haben sonntags die Geschäfte auf. Das wünschen sich die Wirtschaftsverbände für Deutschland auch, doch noch halten die Gewerkschaften in seltener Allianz mit den Kirchen dagegen. 

Wobei klar ist, das auch jetzt schon viele Menschen am Sonntag arbeiten müssen, für unsere Sicherheit, Gesundheit, Energieversorgung. Trotzdem: Einen Tag der gemeinsam erlebten Pause aufzugeben wäre in meinen Augen ein großer Verlust. Ein gemeinsamer Tag der Ruhe gibt unserem Leben Rhythmus und Struktur.