Als Pfarrer bekomme ich so manchen Geburtstag mit: Da folgt auf die Glück- und Segenswünsche oft der Nachsatz „vor allem Gesundheit!“ Aber kann man Gesundheit wünschen?
Sie scheint ja vor allem vom eigenen Lebensstil abzuhängen: Wieviel oder was man isst oder trinkt. Ob man raucht. Wieviel man sich bewegt. Ja, auch meine Krankenkasse lockt schon mit Bonuspunkten und besserer Behandlung im Alter, wenn ich jetzt schon etwas für meine körperliche Fitness tue, ein bestimmtes Gewicht nicht überschreite und alle Vorsorgeuntersuchungen wahrnehme.
Das leuchtet mir ein. Anderseits denke ich - hier draußen bei uns auf dem Land: Zu welchem Arzt soll ich eigentlich gehen? Und auch wenn ich mich richtig ernähre und genügend Sport treibe, eine Garantie für Gesundheit bis ins hohe Alter ist das noch lange nicht.
Da leuchtet mir der Wunsch am Geburtstag immer mehr ein: Wir haben unser seelisches und körperliches Wohlergehen eben nicht allein in der Hand. In Zeiten von Ärztemangel, Krankenhaussterben und immer höher verschuldeten Krankenkassen noch viel mehr. Ein von Krankheit und Schmerzen gezeichnetes Leben ändert alles, da verstehe ich, wenn mancher sagt: Meine Gesundheit ist mir heilig!
Da steckt ja auch das ‚heil machen‘ oder ‚heil werden‘ drin. Und tatsächlich erzählt die Bibel viele Heilungsgeschichten, in denen Jesus Kranke heilt. Viele dieser Geschichten enthalten jedoch eine entscheidende Pointe: Es ist immer auch das Vertrauen, der Glaube der Kranken, der sie gesund macht, nicht allein Jesus und auch kein besonderes Ritual oder eine wundersame Medizin.
Darin steckt, glaube ich, die eigentliche Kraft dieses Wunsches. „Mögest du gesund bleiben“, heißt dann auch: Vertrau darauf, dass du gesund bleibst und wieder gesund wirst. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen: Allein schon der Glaube, dass da ein Arzt oder ein Medikament hilft, kann ganz entscheidend für die Genesung sein. Der so genannte Placebo-Effekt.
Das ist etwas ganz Wesentliches für uns Menschen – nicht nur in Krankheit: Hoffnung und Vertrauen, dass es wieder bergauf geht. Im Kleinen und im Großen.