Auf einer Glasoberfläche steht in orangefarbenem Schriftzug das Wort "LIEBE", kombiniert mit einem gezeichneten Herz. Die Schrift wirkt handgemalt und ist deutlich sichtbar.
24.04
2026
06:50
Uhr

Liebe

Ein Beitrag von Simon Klaas

Wer kirchlich heiratet, hört Sätze wie diese: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen! – „bis dass der Tod uns scheidet“. Was für die einen romantisch klingt, empfinden andere als heftig: eine romantische Liebe, die alles fordert und wenig vergibt und gnadenlos aufrechterhalten werden muss – egal um welchen Preis. Da heißt es: durchhalten, in guten wie in schlechten Zeiten. 

Als Pfarrer weiß ich: In Hochzeiten wird viel investiert - emotional und materiell. Ja, viele Paare verschulden sich gar für die Feierlichkeiten. Als müsse doch alle Welt sehen, wie wunderbar und kostbar die Liebe der beiden ist, die sich hier das Ja-Wort geben. Die Hochzeit ist für viele das höchste und vielleicht das heiligste Fest ihres Lebens - vorausgesetzt die Ehe hält.

Tatsächlich sinken die Scheidungsraten in Deutschland seit einigen Jahren wieder - die Gründe dafür mögen verschieden sein. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es längst schon nicht mehr selbstverständlich ist zu heiraten, schon gar nicht mit kirchlichem Segen. Martin Luther hielt die Ehe für „ein weltlich Ding“, in der katholischen Kirche ist die Ehe aber ein Sakrament, also wirklich heilig und daher die Scheidung eigentlich nicht vorgesehen. Dass Liebe halten möge, wünschen beide Kirchen und trauen deshalb Paare – mit dem Segen Gottes. Da erklingt dann oft dieser Vers vom Anfang: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.“ (Ruth 1,16-17) Das ist ursprünglich gar kein Liebesschwur zwischen Mann und Frau. Die Schwiegertochter Ruth sagt es zu ihrer Schwiegermutter Noomi und folgt ihr damit in ein fremdes Land mit ungewisser Zukunft. 

Keiner von uns kennt die Zukunft. Liebesbeziehungen und auch Ehen können scheitern. Aber alles fängt mit Zuneigung, Hoffnung und Vertrauen zwischen zwei Menschen an. Dazu gibt Gott seinen Segen.  Und einer der großen Liebesschwüre der Bibel wird sogar von der Schwiegertochter zur Schwiegermutter geschworen. Hach, wie romantisch!