Ich gehe manchmal tanzen: Improvisations-Tanz um genau zu sein. Manchmal tanze ich da allein vor mich hin, manchmal habe ich Lust auf mehr Kontakt, manchmal sind wir uns als Gruppe nah. Keine Stunde ist wie die nächste. Dieses Tanzen ist eine der wenigen Aktivitäten in meinem Leben, wo ich etwas nur für mich tue, und zwar für Körper und Seele. Das hilft mir gegen Stress und Verspannung und außerdem macht es einfach Spaß.
Tanz, ja rhythmische Bewegung taucht auch in religiösen und spirituellen Traditionen auf. Berühmt ist beispielsweise im Sufismus, einer mystischen Richtung des Islam, das Drehen der Derwische solange, bis sie in einen Zustand der Trance geraten. In der Bibel wird ebenfalls vom Tanzen erzählt. Zum Beispiel, als Mirjam, die Schwester Moses, nach dem Durchzug der Israeliten durch das Schilfmeer tanzte: froh und befreit.
Im Christentum hat Tanzen lange Zeit gar keine Rolle gespielt. Ja, im Gegenteil: Tanz galt als verpönt und vom Teufel, bedeutete Kontrollverlust, die Vorstufe zu unkontrollierter Sexualität. Und dem wollte Kirche Einhalt gebieten, denn der Körper galt als Tempel des Heiligen Geistes, der nicht von weltlichen Gelüsten verunreinigt werden sollte.
Zum Glück hat sich das mit der Leibfeindlichkeit im Raum der Kirche inzwischen geändert. Seit einigen Jahrzehnten taucht liturgischer Tanz als besonderes Element in Gottesdiensten auf. In Berlin, Bad Wilsnack und auch anderswo soll schon der ein oder andere Rave in einer Kirche stattgefunden haben. Doch noch immer ist Tanz als spirituelle Praxis eher die Ausnahme.
Doch egal, welche Art von Tanz zu welcher Art von Musik: den Körper rhythmisch zu bewegen, macht Spaß und tut gut und kann sogar helfen, in Kontakt mit Gott zu kommen.
Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, im Kirchraum zu tanzen. Das ist etwas ganz Besonderes. Mindestens genauso heilig wie singen und beten. In jedem Fall voller Leidenschaft. Ich bin dafür: Lasst uns Tanzen - wo auch immer es uns möglich ist!