„Ich zeig dir, was eine Harke ist.“
Florian grinst mich an und hält mir eine Harke direkt vor die Nase.
So eine richtige: mit Holzgriff und Eisenzinken,
um die Erde zu lockern oder Gras zu sammeln.
Florian ist gerade Vierzehn geworden und mir im Moment wirklich überlegen.
Er weiß, worum es geht – und ich eben nicht. Darum fügt er hinzu:
„Das hier ist meine Harke; aber du brauchst auch so eine.
Das heißt, wenn ich dich überzeugen kann und du mitmachst.“
Jetzt bin ich neugierig, um welche Art von Garteneinsatz es ihm geht.
„Fehlanzeige“, widerspricht Florian, „kein Garten, sondern eine Spreewiese.
Die wollen wir fit für das Jahr machen.“ Und er erklärt:
„Die Spreewiese, um die es geht, ist verpachtet.
Der Bauer, kann nur da mähen, wo der große Trecker nicht einsackt.
Dafür bekommt er vom Staat eine Betriebs-Prämie. Das Mahdgut lässt er liegen.
Es eignet sich nicht als Viehfutter. Stattdessen düngt es den Boden.
‚Mulchen‘ nennt man das.“
„Na, ist doch super“, freue ich mich über den naturbelassenen Dünger.
„Wozu dann harken? Einfach liegen und wachsen lassen!“
„Hast du schon mal was von Biodiversität gehört, kontert Florian,
also von Artenvielfalt oder Artenreichtum? Mulch bringt Nährstoffe, und die locken konkurrenzstärkere Arten an und drängen die schwächeren zurück. Und irgendwann
sterben der Klappertopf und das Gottes-Gnaden-Kraut ganz aus – hier an der Spree.“
Es dauert noch eine Weile, bis ich verstanden habe, dass es notwendig ist,
in den feuchten Senken von Hand zu mähen und die Mahd vollständig abzutragen,
damit Sandtrockenrasen neben Schilf existieren kann
und auf kleinster Fläche die größte Vielfalt sein darf.
„Aber jetzt bei der Kälte…“, versuche ich Zeit zu schinden, „hat das Harken nicht noch Zeit?“
„Nein, wir müssen das im März machen, bevor die Wiesenbrüter mit dem Nestbau beginnen.“
„Wiesenbrüter?“ „Na, Heidelerchen und andere Vogelarten.
Die bauen ihre Nester direkt auf der Wiese.“
„Und woher kommt dein plötzliches Engagement?“, frage ich.
„Konfirmandenunterricht“, lautet die Antwort.
„Wir diskutieren gerade die Bewahrung der Schöpfung.
Ganz konkret. Hier bei uns. – Und, bist du dabei?“
„Na klar“, antworte ich, „jetzt, wo ich weiß, was eine Harke ist…“