Ein künstlerisches Symbol eines Notenschlüssels ist auf einer strukturierten, hellen Oberfläche abgebildet. Der Notenschlüssel ist in einem dunklen Farbton gestaltet und hebt sich von der Hintergrundtextur ab.
27.02
2026
06:50
Uhr

Notenschlüssel

Ein Beitrag von Olaf Trenn

Johann Sebastian Bach war auch mal ein Kind von zehn Jahren.

Diejenigen von uns, die sich für seine Musik interessieren,

schätzen ihn als den wichtigsten Komponisten des Barock – wenn nicht überhaupt.

Keine Adventszeit ohne sein Weihnachtsoratorium,

keine Passionszeit ohne die Matthäuspassion,

kaum eine Beerdigung ohne sein Air.

 

Doch wie kommt so ein Kind von zehn Jahren dazu,

später einmal die gesamte Musikwelt in Atem zu halten?

Nun gut, Bach entstammt einer musikalischen Familie aus Eisenach.

Doch schon mit zehn Jahren hat er keine Eltern mehr.

Sebastian zieht nach Ohrdruf zu seinem Bruder Christoph.

Der ist dort Organist und kümmert sich um seinen kleinen Bruder.

Seine Violine bringt Sebastian bereits mit.

Cembalo und Orgel spielen lernt er von Christoph.

 

Überliefert ist, dass der große Bruder von Sebastian einen Schrank besaß,

den er immer gut verschlossen hielt. Und genau dieser Schrank

übte auf den Zehnjährigen eine ungeheure Faszination aus.

Denn in ihm befanden sich nahezu himmlische Schätze:

Musiknoten! Von Hand abgeschrieben.

Kopien von Werken der größten Musiker seiner Zeit:

Italienische Konzerte, französische Suiten, deutsche Choralbearbeitungen

wie die Kantate „Jesu, meine Freude“ von Dietrich Buxtehude

oder die Chaconne in F-Dur von Johann Pachelbel.

 

Eines Nachts stibitzt sich der Zehnjährige den ‚Noten-Schlüssel‘,

fängt an, ein paar der wertvollsten Notensätze abzuschreiben –

und wird dabei erwischt. – Die Schelte fiel harmlos aus.

Beide Brüder blieben einander zeitlebens in Liebe und Fürsorge verbunden.

 

Denn vielleicht wollte Christoph genau das:

Dass Johann Sebastian neugierig wird,

unbedingt an diesen Schatz heran will

und nach einem passenden Schlüssel sucht,

der ihm einen Himmel voller Musik aufschließt.

 

Welche Schätze verbergen Sie, liebe Hörerinnen und Hörer,

in der Hoffnung, dass andere sie entdecken?