Eine raue See mit hohen Wellen, die gegen Felsen prallen. Gischt spritzt in die Luft, während der Himmel bewölkt ist. Im Hintergrund ist eine Baumlinie am Ufer sichtbar.
23.02
2026
06:50
Uhr

Unser Wesen

Ein Beitrag von Olaf Trenn

In der Sankt-Nicolai-Kirche in Burg auf Fehmarn hängt eine große Holztafel.

Goldene Schrift in rotem Rahmen auf schwarzem Grund.

Oben steht: „Gedächtnis der Strafen Gottes“. Und darunter:

„Anno 1625 ist gewesen hier und an benachbarten Örtern

eine große Wasserflut, darin viel Menschen und Vieh ersäufet.

Ein Jahr später ist ein schrecklicher Hagel gefallen,

davon dem lieben Korn großer Schaden geschehen.

Und folgende Jahr fort bis auf Anno 1630

ist das Land von der Kriegslast sehr beschweret worden.

Dann ist gefolget eine große Pest, daran 636 Menschen gestorben.“

 

Darunter lese ich zwei Bibelstellen:

„Es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich über das andere;

und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wider.“ (Mt 24,7)

Und: „Lasst uns forschen und suchen unser Wesen und uns zum HERRN bekehren! (…)

Wir, wir haben gesündigt und sind ungehorsam gewesen,

darum hast du uns nicht verschonet.“ (Klagelieder 3,40ff)

 

Ich denke sofort: völlig falsch. So handelt Gott nicht.

Wasserflut, Hagel, Krieg und Pest sind keine Strafen Gottes.

Gott als Zuchtmeister mit dem Rohrstock

und wir seine ungezogene Schulkasse? – Nie und nimmer!

 

Dann denke ich: Die Menschen, die diese Tafel in ihrer Kirche angebracht haben,

sind gedanklich auf einem richtigen Weg, ziehen aber den falschen Schluss.

Sie bringen alles, auch das Schlimmste, mit Gott zusammen.

Dabei übersehen sie: das Leid ist keine Strafe Gottes.
Vielmehr ist es die Folge von menschlichem Machtstreben und Größenwahn.

Und so viele leiden darunter.

 

Bibelstellen, die wie eine Androhung göttlicher Strafe klingen,

lassen sich besser als nüchterne Beschreibung lesen,

wie es um die Welt und uns Menschen bestellt ist.

Darum füge ich in Gedanken der Tafel in der Kirche ein paar Worte hinzu.

„Danke, Gott, dass du uns noch nicht abgeschrieben hast.

Du schenkst uns deinen weiten Blick und lenkst ihn auf das, was Not tut.

Nun lass uns gemeinsam überlegen, wie wir künftig klarkommen mit dem,

was weltweit geschieht und hier bei uns.

Und dabei bleibe bitte weiter an unserer Seite.“